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Branche


Heißer Marktforschungssommer

Eigentlich ist Sommerloch. Nicht aber in der Marktforschungsbranche, denn hier geht es mit Übernahmen, Umstrukturierungen und Zusammenschlüssen hoch her: Synovate geht an Ipsos, Globalpark wird von QuestBack übernommen und der designierte GfK-CEO kommt aus dem Consulting-Business!

Über den Verkauf von Synovate durch die Muttergesellschaft Aegis Media wurde im Vorfeld sehr offen spekuliert und auch der inzwischen bestätigte Käufer Ipsos war schnell ausgemacht – Zustimmung der Aktionäre und Behörden vorausgesetzt.

Was steckt dahinter: Das Kerngeschäft von Aegis Media liegt im Media-Bereich, da schien der Holding das Marktforschungsgeschäft trotz guter Zahlen nicht mehr ins Konzept zu passen. Am von 2009 auf 2010 um 9,8 Prozent gestiegenen Umsatz mit einem operativen Gewinn von zuletzt 52 Millionen Euro wird es wohl nicht liegen. Diese schöne Braut wurde vom Wachstums-Rekordjäger des Jahres 2010 Ipsos gerne genommen. Mit über 6.000 Synovate-Mitarbeitern in 62 Ländern steigt Ipsos somit zum weltweit drittgrößten Marktforschungsanbieter auf.

Interessant, dass sich die Aegis Media Holding für die Ausgliederung der Marktforschung entschieden hat, während sich Mitbewerber WPP erst im Oktober 2008 mit TNS neben Millward Brown und der damals noch als eigenständiger Marke im Portfolio geführten Research International einen weiteren Mafo-Experten einverleibt hat. Angeblich planen WPP und Publicis bereits, Angebote für den Aegis-Rest zu platzieren, sobald der Synovate-Deal abgeschlossen ist. Das Streben nach Größe geht somit offenbar weiter.

Auch bei Globalpark ist Größe gefragt. Die Meldungen aus Hürth legten zwar einen Zusammengang auf Augenhöhe mit QuestBack nahe, de facto handelt es sich aber um eine Übernahme durch den norwegischen Konzern, der jüngst bereits in Finnland auf Shopping-Tour war und sich den auf Data Collection spezialisierten Anbieter Digium Oy einverleibt hat.

Nach Aussage von Globalpark-CEO Dr. Lorenz Gräf wird die Marke zwar bestehen bleiben und zentrale Software-Entwicklungen am Standort Hürth erfolgen, dennoch ist er nunmehr nur noch Board Member und nicht mehr CEO. Inwiefern die weiteren Entwicklungen sich noch auf die ursprüngliche Kernkompetenz Online-Marktforschung beziehen werden, oder ob generelles Informations- und Beziehungsmanagement in und zwischen Firmen die Angebotspalette künftig dominieren wird, bleibt abzuwarten.

Ebenso rührt sich einiges bei der GfK. Vor kurzem wurde eine neue Strategie bekannt gegeben, die eine Konzentration auf zwei Kernsektoren vorsieht: Consumer Choices und Consumer Experiences. Einige Kunden, beispielsweise aus dem B2B-Bereich, mögen sich schwer tun, sich in diesen Säulen wieder zu finden. Diese Strategie mit Leben zu füllen wird Aufgabe des Nachfolgers des scheidenden CEOs Prof. Dr. Klaus Wübbenhorst sein.

Der nun verkündete designierte CEO Matthias Hartmann hat seine Wurzeln bei IBM. Genau genommen im Consulting-Business von IBM. Das lässt hellhörig werden hinsichtlich möglicher weiterer Entwicklungen der GfK in Richtung Technologie und Consulting. Der Wunsch der Marktforscher, die Auftragsvolumina von Unternehmensberatern realisieren zu können, besteht schon lange. Ebenso lange sind mehr oder minder ernsthafte Vorstöße in diese Richtung gescheitert. Es wird sich weisen, wohin sich die GfK unter Führung des spätestens zum Jahreswechsel antretenden neuen CEO entwickeln wird.

Die eher mäßige Sommerhitze wird zumindest in der Marktforschungsbranche durch diese Entwicklungen mächtig angeheizt. Größe und Trading up scheinen weiterhin die vielversprechendsten Zukunfts-Strategien angesehen zu werden. Inwiefern diese aufgehen, wird sich zeigen.

Kommentar von Dr. Gwen Kaufmann, Chefredakteurin planung & analyse

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