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Editor's Pick


„Wähler haben auch Gefühle.“

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Dr. Thomas Wind (Quelle: IfZ) 

 Dr. Thomas Wind (Quelle: IfZ)

Die Wahlforschung begnügt sich mit der halben Wahrheit, solange sie nur die Meinungen der Menschen erfasst und ihre Emotionen vernachlässigt.

Umfrageforschung in der Politiksphäre hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Datenlieferanten gemausert. Woche für Woche wird die Sonntagsfrage gestellt, werden Politikerrankings erstellt und die Einschätzung der Bevölkerung zu allen gerade brisanten Themen erfasst. Diese kurzlebigen Momentaufnahmen lassen sich handlich in wenige Prozentzahlen packen und in einfach verständlichen Diagrammen visualisieren. Gerade in Wahlkampfzeiten erfreuen sich Umfrageergebnisse großer Beliebtheit, weil sie das – mitunter spannende – politische Wettrennen der Parteien und Akteure abbilden.

Die Repräsentativbefragungen der Meinungsforschungsinstitute haben den Vorteil, dass ihren Ergebnissen weithin Vertrauen entgegen gebracht wird, denn „Zahlen lügen nicht“ – aber das sagt man auch über Tränen. Schwieriger verhält es sich mit den Interpretationen der Ergebnisse bzw. Zeitreihen. Diese bewegen sich nicht selten auf unsicherem Terrain. So erscheint es fragwürdig, wenn die Veränderung von 14 auf 13 Prozent für Bündnis 90/Die Grünen bei der Sonntagsfrage einzig und allein mit den gerade veröffentlichten Steuerplänen der Partei für den Fall einer Regierungsbeteiligung begründet wird (Spiegel-Online, 17.5.2013).

Die quantitative Meinungs- und Wahlforschung erfasst momentane Haltungen und Bewertungen, wie sie sich dann auch in der hypothetischen Stimmabgabe bei der Sonntagsfrage manifestieren. Sie konzentriert sich im Wesentlichen auf die bewussten und damit auch leicht verbalisierbaren Gedächtnisinhalte und spart den Bereich der Emotionen aus.

Dabei funktioniert unser politisches Gehirn in erster Linie emotional und nicht wie eine nüchtern kalkulierende Rechenmaschine. Namhafte Forscher wie George Lakoff und Drew Westen haben das in eindrucksvollen Studien nachgewiesen (vgl. Drew Westen: The political brain. The role of emotion in deciding the fate of the nation, 2007; George Lakoff: The political mind: a cognitive scientiest’s guide to your brain and it’s politics, 2008)

Wir erleben regelmäßig in Fokusgruppen, die das IfZ seit mehr als 15 Jahren mit Bürgerinnen und Bürgern zu politischen Themen durchführt, wie stark Emotionen gegenüber Politik und Politikern unter der Oberfläche brodeln. Nicht selten kommt es zu vehementen Wutausbrüchen oder dezidierten Schuldzuweisungen.


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