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Editor's Pick


Die Politische Gefühlswelt der Österreicher

Die Österreicher sind sich ihres wirtschaftlichen Wohlstands voll und ganz bewußt. 85 Prozent von ihnen bezeichnen sich als zumindest einigermaßen zufrieden mit dem Lebensstandard.
 
Sehr gelobt werden von der Bevölkerung darüber hinaus die Meinungsfreiheit, das Schul- und Ausbildungswesen, die gesundheitliche Versorgung, die Tätigkeit von Polizei und Gerichten und die beruflichen Chancen. Überwiegend vorteilhaft eingegeschätzt werden darüber hinaus auch die Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen, sowie die Sicherheit vor Kriminalität.
 
Der Zweifel beginnt bei der Umwelt. Nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist mit dem Zustand der Natur in unserem Land im großen und ganzen zufrieden, 47 Prozent sind es nicht. Schlechter bestellt ist es bereits mit dem Ausländerproblem: 48 Prozent erheben gegen das Zusammenleben mit den Zuwanderern zwar keine Einwände, für die etwas größere Gruppe von 52 Prozent stellen die Ausländer jedoch ein Ärgernis dar. Noch etwas geringer ist die Zufriedenheit der Österreicher mit der sozialen Gerechtigkeit und dem Bundeskanzler. Lediglich 45 Prozent der repräsentativ ausgewählten Personen erklärten sich im Interview zumindest einigermaßen mit Alfred Gusenbauer einverstanden, die absolute Mehrheit von 55 Prozent signalisierte Ablehnung. Mit dieser Bewertung ist der Zweifel der Bevölkerung am Regierungschef fast so groß wie jener an der Sicherheit der Pensionen oder wie die Kritik am Angebot von Arbeitsplätzen. Geradezu vernichtend ist das Urteil der Österreicher über das politische Klima zwischen den Parteien: Nur 27 Prozent halten es für einigermaßen akzeptabel, für fast drei Viertel der Bewohner ist es das nicht.
 
Damals, nach der Nationalratswahl im Oktober des letzten Jahres, wie heute war die Zufriedenheit mit den innerösterreichischen Verhältnissen grundsätzlich größer als die Unzufriedenheit. Im einzelnen hat sich die Stimmungslage der Bevölkerung seit der letzten Wahl aber nicht verbessert, sondern um eine Spur verschlechtert. Verstärkt hat sich das Einverständnis mit dem Schul- und Ausbildungswesen (trotz oder gerade wegen der Diskussion über dieses Problem), außerdem die Zufriedenheit mit dem Lebensstandard, den beruflichen Chancen, dem Angebot an Arbeitsplätzen sowie der Sicherheit der Pensionen.
 
Unverändert geblieben ist die Bewertung der gesundheitlichen Versorgung, der Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen, der Sicherheit vor Verbrechen, der Zufriedenheit mit dem Zusammenleben mit Ausländern, dem Bundeskanzler und dem politischen Klima. Abgeschwächt hat sich die Zufriedenheit mit dem Zustand der Umwelt (um 15 Prozent!), außerdem das Einverständnis mit Polizei und Gerichten sowie das Gefühl der Meinungsfreiheit. (Was wie Umweltsituation betrifft, ist es zumindest sehr wahrscheinlich, daß das rapid zugenommene Unbehagen auf diesem Gebiet mit dem Klimawandel und seinen immer stärker sichtbar werdenden Folgen zusammenhängt).
 
Die generelle Zufriedenheit mit den österreichischen Verhältnissen innerhalb der Bevölkerungsgruppen weist bisweilen beträchtliche Unterschiede auf. Überdurchschnittlich zufrieden sind demnach Personen unter 30 und solche über 50, ferner Erwachsene mit einem einerseits sehr einfachen und andererseits sehr hohen Bildungsgrad, Leitende Angestellte und Beamte sowie Landwirte und ganz allgemein Bewohner von Landgemeinden. Überdurchschnittlich unzufrieden mit den österreichischen Zuständen sind Personen mittleren Alters (zwischen 30 und 49 Jahren), Erwachsene mit mittlerer Schulbildung ( weiterführende Schule ohne Matura), Selbständige, Angehörige freier Berufe, Arbeiter (insbesondere Facharbeiter) und, in allerstärkstem Maße, die Wiener.
 
Recht eigentümlich nimmt sich die Situation unter parteipolitischen Gesichtspunkten aus. Hier zeigt die Aufgliederung der IMAS-Befunde praktisch in allen Lagern eine überdurchschnittliche Globalzufriedenheit mit den Rahmenbedingungen, jedoch eine extrem unterdurchschnittliche Zufriedenheit bei den vagabundierenden Wählern, solchen nämlich, die sich derzeit politisch nicht beheimatet fühlen und keine konkrete Angabe über ihre Parteipräferenz machen konnten. Das analytische Interesse wendet sich nun der Frage zu, mit welcher Art von Problemen bestimmte Gruppen der Bevölkerung im einzelnen zufrieden bzw. unzufrieden sind.
 
Innerhalb der Altersgruppen ergibt sich das folgende Bild: Angehörige der jungen Generation (Personen unter dem 30 Lebensjahr) sind ganz allgemein zufriedener mit den österreichischen Verhältnissen als die Angehörigen der mittleren und älteren Generation. Überdurchschnittlich zufrieden sind die jungen Menschen vor allem mit der gesundheitlichen Versorgung, der Sicherheit vor Kriminalität, der Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen, - (einem Problem, von dem man in diesem Alter noch wenig betroffen ist) - und außerdem mit dem Bundeskanzler und dem politischen Klima zwischen den Parteien. Die Kritik dieser Fraktion an unseren Zuständen ist allenfalls durchschnittlich, vielfach aber unterdurchschnittlich.
 
Personen zwischen 30 und 49 Jahren sind äußerst sparsam mit ihrem Lob und übertreffen in keinem einzigen Punkt die Zufriedenheitsgrade der anderen Altersgruppen. Überdurchschnittlich stark kritisiert wird von der mittleren Generation hingegen die Sicherheit der Pensionen, der Bundeskanzler, die soziale Gerechtigkeit, das Angebot an Arbeitsplätzen, die Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen sowie die Tätigkeit von Polizei und Gerichten.
 
Personen über 50 loben in überdurchschnittlicher Weise die Tätigkeit der Polizei und Gerichte, die soziale Gerechtigkeit und nicht zuletzt die Sicherheit der Pensionen, (die man zum Teil bereits konsumiert).
 
Innerhalb der parteipolitischen Gruppierungen stellt sich die Lage so dar: SPÖ-Anhänger sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich zufrieden mit dem Bundeskanzler, ansonsten aber auch mit einigen anderen Problemaspekten, die mit der Regierungsverantwortung in Zusammenhang stehen, wie z.B. Sicherheit der Pensionen, Arbeitsplätze oder die soziale Sicherheit. Auch das politische Klima wird von den Sozialdemokraten etwas günstiger beurteilt als vom Bevölkerungsdurchschnitt. Was die Bewertung des Bundeskanzlers betrifft, so ist freilich eine Relativierung des einschlägigen Befundes vonnöten. Nicht zu übersehen ist nämlich, daß immerhin 38 Prozent der SPÖ-Wähler mit Alfred Gusenbauer explizit unzufrieden sind.
 
Unter ÖVP-Anhängern besteht prinzipiell die höchste Bereitschaft, die österreichischen Zustände zu loben. Ganz besonders gilt das im Hinblick auf die Tätigkeit der Polizei und der Gerichte, das Gesundheitswesen und überdies die (in ihrer ministeriellen Verantwortung stehende) Umweltsituation. Deutlich hervorgehoben wird von den Sympathisanten der Volkspartei auch die Zufriedenheit mit dem Lebensstandard, dem Angebot an Arbeitsplätzen und den beruflichen Aufstiegschancen. Massive Vorbehalte haben die ÖVP-Anhänger gegenüber dem Bundeskanzler: 63 Prozent von ihnen sind mit ihm ausdrücklich unzufrieden.
 
Die Freiheitlichen (als eine aus statistischen Gründen vorgenommene Koppelung aus FPÖ- und BZÖ-Wählern) sind überdurchschnittlich zufrieden mit dem gegenwärtigen Stand der Altenbetreuung, außerdem mit der Umweltsituation, der Arbeit von Polizei und Gerichten sowie dem Schul- und Ausbildungswesen. Nicht überzeugt sind die Freiheitlichen von der Sicherheit der Pensionen und von der Meinungsfreiheit in Österreich.
 
Den Grünen gefällt ungleich mehr als den anderen politischen Segmenten das Zusammenleben mit den Ausländern. Abgesehen davon loben sie in bemerkenswert großer Zahl auch die Sicherheit vor Kriminalität, die Arbeit von Polizei und Gerichten, die gesundheitliche Versorgung, den Lebensstandard und die Meinungsfreiheit. Unzufrieden sind die Grünen vor allem mit dem politischen Klima, dem Bundeskanzler und der Altenbetreuung.
 
Die Unentschiedenen bzw. Undeklarierten sind mit den Zuständen in ausnahmslos allen Problembereichen weniger zufrieden als die Gesamtbevölkerung. Ihr Unbehagen entzündet sich hingegen in einer breiten Skala von Sicherheitsaspekten: Arbeit der Exekutive und Gerichte, Kriminalität, soziale Gerechtigkeit, Arbeitsplätze, gesundheitliche Versorgung und berufliche Chancen. Bemerkenswert ist nicht zuletzt die Unzufriedenheit der politisch Unbehausten mit dem Bundeskanzler und über dem Zusammenleben mit Ausländern.
 
Der nachstehende Bericht dokumentiert eine Umfrage, die das IMAS im Auftrag der Tageszeitung "Die Presse" durchgeführt hat. Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um ein komplexes Meßsystem, das sich nicht mit der punktuellen Beobachtung einzelner Trends begnügt, sondern das politische Lebensgefühl der Österreicher durch mehrere Indikatoren auf der breiten Basis von 1000 Interviews erklärt.
Quelle: IMAS International; www.imas-international.de

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