ANZEIGE
Folgen Sie uns:
planung & analyse GmbH auf facebook.de planung & analyse auf twitter.de planung & analyse GmbH auf google+ planung & analyse GmbH auf xing

Editor's Pick


Die Sehnsucht nach mehr Qualität in den Medien

Als Marcel Reich-Ranicki am 11. Oktober 2008 im Rahmen der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den ihm zugedachten Ehrenpreis mit den Worten ablehnte, er könne den "Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen", nicht länger ertragen, und anschließend mit dem niedrigen Niveau der Programme abrechnete, sorgte er für eine beträchtliche Irritation bei den versammelten Festgästen und erregte kurzfristig heftige Aufmerksamkeit. Die ausgelöste Debatte sei symptomatisch und gehe weit über Herrn Reich-Ranicki und das Fernsehen hinaus, urteilt Professor Peter Kruse, geschäftsführender Gesellschafter der Bremer nextpractice GmbH. Schon vor einem Jahr hatte eine unter seiner Leitung durchgeführte Studie über die Wertewelt der Medien ergeben, dass die Konsumenten zunehmend genervt sind von der Trivialität und Kurzlebigkeit der angebotenen Inhalte.
 
Auch unter den Medienmachern, die ihre gesellschaftliche Verantwortung noch nicht ganz vergessen haben, wachse der Leidensdruck, weil sie nicht nur gegen ihre eigenen Überzeugungen, sondern zunehmend auch gegen ihr Publikum arbeiten, steigt das Risiko des Misserfolgs. Mit dem produzierten Einheitsbrei könne man in Zukunft nicht mehr bestehen. Die Behauptung, dass die dem Kunden angebotene Seichtigkeit letztlich nur dessen Vorlieben und eingeschränkten Horizont widerspiegele, sei angesichts der von Nextpractice erhobenen Datenlage eine unhaltbaren Unterstellung, so urteilt Kruse.
 
"Marcel Reich-Ranicki hat lediglich eine Zeitströmung verbalisiert, die längst alle Gesellschaftsbereiche erfasst hat und sich künftig immer deutlicher Bahn brechen wird", ist sich Professor Kruse deshalb sicher. "Interessant an der Debatte ist weniger ihr Auslöser als vielmehr die sichtbar werdende Tatsache, dass sich die Anbieter in vielen Bereichen unter das Niveau der Nachfrager begeben haben."
 
Doch während die Industrie bereits umzusteuern beginne, würden ausgerechnet die Medien auf diesen Trendwandel viel zu langsam reagieren - mit bösen Konsequenzen: Wenn Anbieter von Produkten und Dienstleistungen es nicht mehr schaffen, den Grad der Differenziertheit zu bedienen, den die Kunden erwarten, dann haben sie begonnen, sich ihren eigenen Markt kaputt zu machen. Die Bereitschaft des Kunden, für etwas mehr als den Tiefstpreis zu bezahlen, ist in entwickelten Märkten direkt an die Fähigkeit des Anbieters gekoppelt, positiv zu überraschen und zu begeistern.
 
In der Wirtschaft verschwinde solch ein unfähiges Unternehmen einfach irgendwann vom Markt, ohne dass es jemand wirklich vermisse. Wenn das jedoch im Bereich der Medien passiere, so komme das einem gesellschaftlichen Offenbarungseid gleich, "weil dadurch die angesichts der wachsenden Unüberschaubarkeit der Alltagswelt immer wichtiger werdende Funktion der Medien - Orientierung zu geben, Verständnis zu fördern und Komplexität zu reduzieren - vor die Hunde geht. Wenn die Qualität der Medien sinkt, verliert die Gesellschaft an Intelligenz. Der verbreitete Glaube, dass das Internet über Masse wett machen kann, was den traditionellen Medien an Klasse verlorengeht, ist bestenfalls naiv, wenn nicht zynisch und durch die Fakten deutlich widerlegt." Darum sei es "höchste Zeit für eine Abkehr von der sich selbst verstärkenden Negativspirale der Medien und für eine Rückkehr zum qualitativen Journalismus. Die Intensität der Reaktionen auf die Provokation von Marcel Reich-Ranicki ist nur ein Symptom für eine allgemeine Trendwende. Das Interesse an einer ernsthaften und weniger emotional geführten Auseinandersetzung wächst. Medienprodukte auf ihren Warencharakter zu reduzieren, ist eine Fehlentwicklung, unter der die Medien selbst am meisten leiden werden," so folgert der Trendforscher Kruse.
 
Quelle: Nextpractice; www.nextpractice.de

Facebook Twitter Google LinkedIn Xing RSS Email