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Europa im Chat

Schnell, effizient, international: Das Berliner Startup Dalia Research macht Befragung großer Personengruppen in kurzer Zeit per Smartphone möglich. Ein Beitrag von Klaus Janke. Dalia wurde 2016 als planung&analyse Newcomer des Jahres ausgezeichnet.

Bei Dalia Research treffen sich die beiden Welten Research und Online Marketing. Das Startup ist in der Lage, über Online-Befragungen täglich bis zu 3,5 Millionen Antworten zu beschaffen. Wie das geht? „Wir übertragen die Funktionsweise des Performance Marketing auf die Marktforschung“, erklärt Gründer und CEO Nico Jaspers, 35. Im Performance Marketing werden Online-Anzeigen auf Websites geschaltet, deren Betreiber dafür erfolgsabhängig, meist pro Klick, honoriert werden.

Nico Jaspers (Foto: Dalia Research) 

 Nico Jaspers (Foto: Dalia Research)

Nach demselben Prinzip platziert Dalia Research seine Umfragen auf Websites und vor allem auch auf Smartphone-Apps in mittlerweile über 90 Ländern. „Wir arbeiten auf der Publisher-Seite mit rund 40.000 Quellen weltweit“, erklärt Jaspers. „Die Integration der Umfragen ist in der Regel kein Problem und läuft automatisiert.“ Zum Teil bekommen die Teilnehmer ein Incentive, etwa Prämienpunkte, kostenlose Abos oder Apps, je nachdem in welchem Umfeld sie angesprochen werden.

Eine kontinuierlich wachsende Datenbank mit umfangreichen Zielgruppen- und Targeting-Daten sorgt dafür, dass schnell möglichst viele Nutzer angesprochen werden, die die für eine Studie gewünschten Profile aufweisen. Die Merkmale – wie Alter, Geschlecht oder Konsumvorlieben – werden aber grundsätzlich abgefragt, es sei denn, sie sind durch frühere Befragungen oder durch Login-Daten bereits bekannt. Auch was technisch gemessen werden kann – etwa Aufenthaltsort, Browser-Typ oder Smartphone-Marke – wird nicht zusätzlich eruiert.

Gegründet haben das Unternehmen im September 2013 Nico Jaspers und Fernando Guillén. Jaspers betrieb zuvor als Geschäftsführer von Dimap Global Solutions vor allem politische Meinungsforschung und prägt damit die Dalia-DNA bis heute. Technologie-Spezialist Guillén war unter anderem an der Entwicklung der Plattform-Architektur von Fyber beteiligt, einem Technologieanbieter für mobile Werbung. Die Überlegung der beiden Gründer: Milliarden Menschen weltweit sind – sofern man einmal diesen gigantischen Apparat an automatisierten Publisher-Kontakten aufgebaut hat – sehr einfach über das Smartphone zu erreichen.

Damit ergeben sich Möglichkeiten, die in puncto Reichweite und Effizienz weit über die traditionellen Methoden hinausgehen. Dies schlägt sich auch in den Kosten nieder: Die Kunden zahlen pro Antwort zwischen ein und zwei Dollar, deutlich weniger als bei Einsatz eines Online-Panels.

Ein Blick ins Startup-Büro von Dalia Research (Foto: Dalia) 

 Ein Blick ins Startup-Büro von Dalia Research (Foto: Dalia)

Finanziert von einem Business Angel, wurde das System 2014 erst einmal für fünf Länder aufgebaut. Ende des Jahres lief es bereits in fast 50 Märkten, die Akquise konnte starten. Jaspers und seine Mitstreiter sprachen große Research-Firmen und Universitäten an, erst einmal für Testbudgets von 4000 oder 5000 Euro.

„Wir haben uns auch den großen deutschen Marktforschungsunternehmen vorgestellt“, berichtet Jaspers. „Das Interesse an neuen, mobilen Befragungsmethoden und -kanälen war aber nicht besonders groß. Also haben wir uns in der Folge vor allem im amerikanischen und britischen Markt orientiert.“

Mit großem Erfolg: Heute stehen auf der Kundenliste von Dalia Research Marktforschungsunternehmen wie Nielsen, Kantar Group, Ipsos, Maritz, Dialego, Panelanbieter wie Research Now und Respondi, Medienhäuser wie BBC, The Guardian, Discovery Channel und Bauer Media Group sowie Forschungsinstitutionen wie Stanford University und MIT.

Sie interessieren sich vor allem für länderübergreifende Befragungen relativ breiter Zielgruppen – hier spielt Dalia Research sein Potenzial am besten aus. Der Omnibus Survey e28 etwa behandelt die 28 EU-Mitgliedsstaaten wie ein Land. Befragt wird eine repräsentative Stichprobe von 10.000 Personen in 21 Sprachen.

In gut zwei Jahren hat Dalia Research eine erstaunliche Erfolgsgeschichte geschrieben, die mittlerweile auch in Deutschland interessiert verfolgt wird. Das Startup steht kurz vor dem Break-even, einige Bereiche laufen schon profitabel.
Erschienen in
in Heft 2/16 von planung&analyse

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