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Fernsehen: Vom stillen Begleiter zum multifunktionalen Ratgeber

492 Programmneuheiten gab es von September bis Oktober im Fernsehen in Australien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Schweden, Spanien und den USA. Andererseits kommt es auch zum Jahresende 2004 noch nicht wirklich zu einem Umbruch bei den Programmtrends. Die populärsten Formate wandern weltweit nach wie vor von einem Sender zum andern. Auffällig ist, dass Formate immer häufiger und schneller kopiert werden und dass sie in immer unterschiedlicheren Varianten auftauchen. 2003 und auch noch 2004 redeten alle über die Stars des Reality TV. Zu Stars wurden normale Menschen, die sich freiwillig in Container einsperren ließen, sich durch plastische Chirurgie öffentlich unter das Messer begaben oder jene, die uns an ihrem Alltagschaos teilhaben ließen. Vorgeführt wurden egozentrische Promis der zweiten und dritten Liga ebenso wie gestresste Topmanager.
 
Fernsehen ist heute multifunktional: Es ist Ratgeber und Freizeitvergnügen zugleich. Fernsehen macht es möglich, per Fernbedienung der Realität zu entfliehen und in eine andere Welt einzutauchen. Es verwandelt sich auf Knopfdruck zur "Wohlfühloase". Fernsehen verliert mehr und mehr die Rolle eines stillen Begleiters, mischt sich stärker ein, nimmt aktiver am Leben der Menschen teil. Die Zuschauer sind dabei für alle nur denkbaren Themen zu begeistern, ob sie nun ihren Alltag, das Aussehen, Bildung und Erziehung oder die Gesundheit betreffen. Entscheidend ist, dass die Shows es schaffen, sich nachhaltig ins Alltagsleben der TV-Zuschauer "einzunisten". Was im Winter 2004 an neuen Programmen auftaucht, bestätigt den Trend: Sendungen, die auf Veränderungen und Verwandlungen im großen Stil setzen (Make Over Shows), sind beliebt. Hier wird verändert, was änderbar ist: das Aussehen, die Wohnung, der Job, oder gleich die ganze Familie. Ein typisches Beispiel ist die Sendung "Make Me A Perfect Wife" des britischen Senders Channel 4. Dafür unterziehen sich fünf Paare einer ganz besonderen Prüfung: Die Ehefrauen hängen ihre Karrieren an den Nagel und schlüpfen in die Rolle einer typischen Hausfrau der Fünfziger Jahre. 28 Tage lang geben sie ihr bestes, idealer Partner und perfekte Ehefrau zu sein. Sie fügen sich bedingungslos den Wünschen ihrer Ehemänner. Die Sendung erreichte unter allen Zuschauern einen durchschnittlichen Marktanteil von 11,4 Prozent. Besonders beliebt war die Sendung bei kinderlosen Singles im Alter von 35-54 Jahren.
 
Wohin man auch schaut: Fachexperten und Spezialisten aller Art geben ihr Wissen zum Besten. Der TV-Coach wird zum "Helfer der Nation", ob er nun Sportler, Babysitter oder Spezialist für Heimwerken ist. Er zeigt, wie man es macht und richtig anpackt. Beispiele dafür gibt es massenhaft: "The Next Great Champ" auf FOX in den USA (Wie wird man ein neuer Muhammad Ali?); "Campioni Il sogno" auf Italia 1 in Italien (Wie wird man ein neuer Zidane?); "Fat Nation, the Big Challange" auf BBC1 in Großbritannien (Wie kann man sich gesünder ernähren?); "Too posh to wash" auf Channel 4 in Großbritannien (Wie wird man sauberer?) oder eben die "Supernanny" auf RTL. Die Adaption des britischen Konzepts ist auch in Deutschland wohlbekannt. Eltern soll geholfen werden, Probleme mit ihren Kindern zu bewältigen und ihre "kleinen Monster" besser unter Kontrolle zu bekommen. Es gibt eine ganze Palette an Sendungen, in denen uns Promis zeigen, wie sie wirklich sind. Anstatt sie auf Gala-Events zu bewundern, kann der Fernsehzuschauer ihnen zusehen, wie sie normale Alltagssituationen bestehen und auf gewohnte Privilegien verzichten. Zum Beispiel in der Reality Show "The Farm", in Deutschland bekannt als "Die Alm", sind Promis Bauern und verrichten Landarbeit. Familienaffine Themen sind nach wie vor beliebt. Im Bereich Family-Drama sind allerdings zwei neue Trends zu beobachten. Zum einen gibt es zunehmend mehr Sendungen, die sich ausgiebig mit Teenagern und deren Wünschen und Träumen beschäftigen, wie z.B. "Ma Terminale" auf M6 in Frankreich. Andere Sendungen rücken die über 30jährigen in den Mittelpunkt, ob sie noch Single oder schon verheiratet sind, z.B. in "Burn it" auf Ned 2 in den Niederlanden.
 
Ungeachtet der Tatsache, dass Genre-Grenzen zunehmend verwischen, ist ein Trend nicht zu übersehen: es gibt immer mehr Sendungen, die Bildungselemente einbauen. Auch Unterhaltungsshows adaptieren gern Informatives. Besonders beliebt sind dabei Themen aus längst vergangenen Epochen oder über große Persönlichkeiten der Geschichte. Ganz nach dem Motto "Verstehe deine Geschichte und du verstehst deine Gegenwart", greifen auch Doku-Formate mehr auf historische Stoffe zurück. Überhaupt haben Doku-Sendungen seit dem Frühjahr 2004 deutlich an Beliebtheit gewonnen. Es ist zu erwarten, dass sie künftig noch häufiger in den Programmplänen der Sender auftauchen. Die Renaissance dieser Programme beeinflusst die Doku-Formate auch in stilistischer Hinsicht. So scheut sich der klassische Dokumentarfilm nicht, auch Elemente des "Docutainments" zu adaptieren und umgekehrt. Und noch ein anderer Trend ist zu beobachten. Die Faszination für Vergangenes bleibt nicht auf das Genre "Documentaries" beschränkt. Sendungen mit spektakulären und über Jahre oder Jahrzehnte ungelösten Kriminalfällen sind wieder stärker im Kommen. Ein Beispiel dafür ist "Sensing murders" auf Network 10 in Australien.
Quelle: Goldmedia; www.goldmedia.de

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