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Gewaltandrohung um Leben zu retten?

Die Kindesentführung und Ermordung des elf Jahre alten Jakob von Metzler in Frankfurt liegt inzwischen eineinhalb Jahre zurück. Jakobs Mörder ist voriges Jahr im Juli zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Februar hat die Staatsanwaltschaft den Frankfurter Vize-Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner angeklagt. Daschner hatte dem Entführer bei seiner Vernehmung Schmerzen androhen lassen, damit er verrät, wo der entführte Junge versteckt ist. Daß er zu diesem Zeitpunkt schon ermordet war, wußten die Polizisten nicht. Unter juristischem Gesichtspunkt ist die Androhung von Gewalt bei einem polizeilichen Verhör ein schwerwiegender Tatbestand.
 
Für die große Mehrheit der Bevölkerung ist es indessen ganz klar, daß Daschner in der damaligen Situation richtig und ihres Erachtens auch rechtens gehandelt hat: "Um das Leben eines entführten Kindes zu retten, darf die Polizei in einem Verhör auch Gewalt androhen". Das sagten im November 2002 kurz nach dem Mord 69 Prozent, und das sagen auch jetzt, anläßlich der Anklage gegen Daschner, 68 Prozent. Nur 19 Prozent sind der Auffassung, daß die Polizei auf keinen Fall in einem Verhör Gewalt androhen darf. In der Auffassung, daß die Polizei in einem Fall wie dem von Jakob von Metzler den Täter mit Gewaltandrohung zu einer Aussage zwingen darf, sind sich in allen Gruppen der Gesellschaft die Mehrheiten einig: in West und Ost, Männer und Frauen, Menschen mit höherer oder einfacher Schulbildung, Junge und Alte, Protestanten, Katholiken oder Konfessionslose. Auch über die Parteilager hinweg gibt es fast keine Unterschiede. 69 Prozent der Unionsanhänger sehen das so, 70 Prozent der FDP-Anhänger und ebenso 72 Prozent der Anhänger der PDS. Auch wenn die Anhänger der SPD (65 Prozent) und der GRÜNEN (63 Prozent) beim Stichwort Polizei und Gewalt ein wenig zurückhaltender sind, steht auch bei ihnen in großer Mehrheit fest: unter solchen Umständen darf die Polizei in einem Verhör mit Gewalt drohen.
Quelle: Institut für Demoskopie, Allensbach; www.ifd-allensbach.de

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