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Ist eine Biene intelligent?

Bild: pixabay.com 

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Der Oxford-Philosoph Luciano Floridi sagte vor kurzem: „Auf dem ganzen Planeten existiert nichts Technologisches, was der Intelligenz einer Ratte auch nur entfernt nahe kommt“. Christian Bauckhage, Professor für Mustererkennung und Fachmann für Künstliche Intelligenz, sieht das anders. planung&analyse sprach mit ihm über intelligente Bienen und den Einsatz von KÜNSTLICHER INTELLIGENZ in der Marktforschung.


Herr Prof. Bauckhage, gibt es Künstliche Intelligenz?
Da stellt sich zuerst die Frage Was ist Intelligenz? Dafür gibt es keine Definition. Ist eine Biene intelligent? Ist ein Hund intelligenter als eine Biene? Ist ein Hund intelligenter als ein Ahornbaum?
Intelligenz ist tatsächlich etwas, das man erkennt, wenn man es sieht. Wir unterscheiden drei Arten von Intelligenz:
  • schwache Intelligenz,
  • allgemeine oder generelle, starke Intelligenz. Das ist die menschliche Intelligenz und
  • übermenschliche Intelligenz.
Schwache Intelligenz ist das, was zurzeit technisch zu realisieren ist. Das Sprachprogramm Siri in Ihrem iPhone versteht, was Sie ihm sagen. Das ist schon eine gewisse Intelligenzleistung. Das kann eine Biene nicht. Siri kann aber nicht Schachspielen oder sich im Straßenverkehr zurechtfinden, also Bereiche, die die Fähigkeit erfordern, Muster zu erkennen oder Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch das ist technisch heutzutage möglich. In letzter Zeit hat es dramatische Fortschritte gegeben. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden wir Maschinen haben, die die Leistungsfähigkeit haben, wie wir Menschen.
 
Wie wird das dann aussehen? Werden wir das noch erleben?
Das sind Maschinen, die sich in allen möglichen Situationen zu Recht finden und mit verschiedenen Eingaben, die sie sehen, hören oder fühlen, umsetzen können. Fotos, Filme oder Tonaufnahmen sind für eine Maschine genau das, was Ihre Augen oder Ohren aufnehmen. Das wird vielleicht noch ein paar Jahre dauern, aber bei den derzeitigen Fortschritten, werde ich das noch erleben.

Wer ist am weitesten in der Erforschung von Künstlicher Intelligenz?
Google natürlich. Die haben in letzter Zeit Milliarden in dem Bereich ausgegeben. Man muss sagen: Die wesentlichen Entwicklungen kommen aus dem Silikon Valley und nur zu einem kleinen Teil aus Universitäten und öffentlichen Forschungseinrichtungen.

Woran liegt das? Haben die nicht genug Geld?
Einerseits ist es eine Frage des Geldes. Aber andererseits braucht man genügend Trainingsdaten. Google hat Milliarden Bilder von Hunden und kann seine Algorithmen damit füttern, die sind dann in der Lage, Regelmäßigkeiten zu entdecken, sodass der Computer irgendwann Hunde erkennt und sie von Katzen oder Menschen unterscheiden kann. Google, Facebook und Amazon, die sitzen auf den größten Datenbergen dieser Welt. Das sind die Treiber dieser Entwicklung.

Was bedeute der Einsatz von KI für die Marktforschung?
Meine Prognose: Marktforscher, die künstliche Intelligenz heute noch nicht nutzen, wird es in drei Jahren nicht mehr geben. Wer jetzt nicht zusteigt, der hat den Zug verpasst. Und da ist auch nichts mehr aufzuholen.
Bei Fraunhofer IAIS arbeiten wir mit dem Bundesverband Außenwerbung zusammen und können anhand der Verkehrslage sehr genau planen, wo es sich lohnen wird, Werbung im Außenbereich zu schalten. Das ist aufgrund von unzähligen Daten möglich. Damit kann man Computersysteme trainieren und dann Vorhersagen treffen und Empfehlungen geben. Das ist alles kein Science Fiction mehr. Das ist Realität.

Ist der Mensch wirklich so leicht berechenbar?
Wir glauben alle, wir sind Individuen. Aber als große Masse von Menschen sind wir unfassbar gut vorhersagbar. Wir arbeiten mit Herstellern von Handyspielen zusammen. Die Leute spielen kostenlos, aber in der App gibt es bestimmt Angebote und deshalb muss man ganz genau wissen, wer spielt wie lange, wer ist bereit in welcher Situation Geld auszugeben. Da geht es um die Verhaltensanalyse der Spieler. Und glauben Sie mir, wir sind nicht so individuell, wie wir gerne glauben. Menschliches Verhalten ist sehr gut analysierbar.

Und wie wird das weitergehen mit der Entwicklung?
Man kann davon ausgehen, das in dem Moment, in dem wir starke, also menschliche Intelligenz entwickelt haben, es nicht mehr lange dauern wird, bis auch übermenschliche Intelligenz erzeugt werden kann.

Bereitet Ihnen diese Vorstellung Sorge?
Nein, warum sollte es?

Prof. Christian Bauckhage 

 Prof. Christian Bauckhage

Christian Bauckhage ist Professor für Mustererkennung an der Universität Bonn und bei Fraunhofer IAIS Leadscientist für Maschine Learning und Künstliche Intelligenz.

christian.bauckhage@iais.fraunhofer.de


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