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Konsumklima: Geteiltes Deutschland

Nachdem sich die Indikatoren, die die Stimmung der deutschen Verbraucher erfassen, in den beiden Vormonaten eher uneinheitlich und teilweise sogar negativ entwickelt hatten, vermitteln sie im September ein stabileres und etwas positiveres Bild. Die Indikatorwerte bewegten sich der Tendenz nach allesamt aufwärts. Die Irritationen der Diskussionen um Hartz IV scheinen etwas abzuebben. Auch sieht es so aus, als hätte sich die Angst vor den Folgen steigender Energiepreise abgeschwächt. Zum zweiten Mal in Folge legten die Erwartungen der Deutschen an die Konjunktur zu und erreichten mit einem Zuwachs von 6,5 Punkten und einem Wert von minus 11,9 wieder das Niveau des Monats Juni. Damit ist der Abwärtstrends vorerst gestoppt. Der Indikatorwert entspricht etwa dem des Vorjahres. Mit seiner leicht positiven Einschätzung der wirtschaftlichen Lage steht der Verbraucher im September allerdings eher allein da. Die Finanzanalysten (ZEW) schrauben ihre Konjunkturerwartungen weiter zurück, gehen jedoch von einer leichten Konjunkturerholung bis März nächsten Jahres aus. Der Skeptizismus der Finanzanalysten nährt sich vor allem aus der Erwartung, dass der momentan einzige Motor der deutschen Konjunkturentwicklung, der Export, an Kraft verlieren wird. Das Urteil der Unternehmen (ifo) bleibt im September auf dem Niveau der Vormonatswerte.
 
Nach zwei Monaten in Folge mit Verlusten konnten die Verbrauchererwartungen an die persönliche Einkommensentwicklung nun wieder um sieben Punkte zulegen und damit den Rückgang des Vormonats mehr als kompensieren. Allerdings liegt der Indikatorwert von minus 12,3 über 11 Punkte hinter dem vergleichbaren Vorjahreswert zurück. Es dürfte sich stabilisierend ausgewirkt haben, dass die Diskussion um die Erhöhung der Energiepreise in der Öffentlichkeit etwas abgeebbt ist. Jedoch bleibt der bereits im Vormonat aufgetretene Stimmungsunterschied zwischen Bewohnern der alten und der neuen Bundesländer deutlich erkennbar. Während sich in den neuen Bundesländern der Wert der Einkommenserwartung weiter verschlechtert hat, verbesserte er sich in den alten Bundesländern. Ursache dafür ist, dass in Ostdeutschland wesentlich mehr Menschen von den anstehenden Arbeitsmarktreformen - insbesondere zur Verminderung der Langzeitarbeitslosigkeit - betroffen sind. Die offiziell registriertem Arbeitslosenquote ist in den ostdeutschen Ländern doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Im Schnitt steht den Haushalten in Ostdeutschland ein Viertel weniger Geld für ihre Lebenshaltung zur Verfügung als in den alten Bundesländern.
 
Mit einem leichten Plus von 0,4 Punkten gegenüber dem Vormonat auf einen Wert von minus 27,4 bleibt der Indikator Anschaffungsneigung im September auf dem Niveau des Vormonats und liegt um vier Punkte höher als der Wert der vergleichbaren Vorjahresperiode. Auch hier zeigt der Ost-West-Vergleich, dass die Verbraucher der westdeutschen Bundesländer langsam ihre Konsumfreude zurückgewinnen, während die ostdeutschen Konsumenten ihre Zurückhaltung gegenüber größeren Anschaffungen beibehalten. Die nach wie vor herrschende Unsicherheit der Verbraucher in den neuen Bundesländern hinsichtlich ihrer zukünftigen finanziellen Situation und ihrer Arbeitsplätze macht es derzeit eher unwahrscheinlich, dass die Verbraucher ihre Kaufzurückhaltung nachhaltig aufgeben.
 
Die Stabilisierung der Indikatoren Einkommenserwartung, Konjunkturerwartung und Anschaffungsneigung hat dazu geführt, dass die rückläufige Entwicklung des Indikators Konsumklima gestoppt wurde. Allerdings wird vom privaten Verbrauch weiterhin kein wesentlicher Impuls ausgehen. Das wird voraussichtlich bis zum Jahresende anhalten. Entscheidende Faktoren, die eine durchgreifende Wende bewirken könnten, wären die konjunkturelle Entwicklung sowie positive Signale vom Arbeitsmarkt. Unter diesen Bedingungen würde die neuerliche Diskussion zur Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes, der zufolge die meisten Bundesländer die gesetzlichen Ladenschlusszeiten an allen Werktagen freigeben wollen, zusätzlichen Auftrieb geben.
Quelle: GfK Marktforschung; public.affairs@gfk.de

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