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Kulturrevolution in Deutschland ?

Tenöre singen in Fußballstadien, Popkonzerte finden in Kirchen statt. Die Hochkultur traditioneller Prägung hat ihr Monopol bzw. ihren Elitecharakter verloren. "Kultur hat viele Gesichter und schließt auch populäre Unterhaltungsangebote wie z.B. Kino, Musicals und Rock-Pop-Konzerte mit ein", sagen 69 Prozent der Deutschen. Zur Kultur gehören heute Vielfalt und Vielseitigkeit, Klassisches und Modernes, Ernstes und Unterhaltsames. Kultur darf unterhaltsam und erlebnisreich, muss also nicht nur ernst und anstrengend sein. Zum Bildungsanspruch gesellt sich der Unterhaltungswert. Auch Liedersänger, Straßenkünstler und Kabarettisten, Popsänger und Kinostars können Anregungen zum Nachdenken geben. Lediglich die ältere Generation der über 65-Jährigen pocht darauf, nur klassische Angebote wie z.B. Oper, Konzert, Theater, Ballett oder Museumsausstellungen als Kultur anzuerkennen. 48 Prozent sagen: "Kultur kann doch kein bloßes Unterhaltungsmedium und Massenvergnügen sein." Die Gesamtbevölkerung hält von diesem engen Kulturverständnis relativ wenig (29 Prozent). Das Volk der Dichter und Denker verabschiedet sich mehrheitlich von der überkommenen kulturellen Ordnung, nach der die Hochkultur wertvoller als die Massenkultur ist. Elite und Masse sind in der Kulturlandschaft von heute keine Gegensätze mehr, weil beide inzwischen Markt- und Massencharakter bekommen haben.
 
Das Kulturverständnis der Deutschen hat sich grundlegend verändert, seitdem auch hochkulturelle Ereignisse geradezu massenhaft angeboten werden und zunehmend Eventcharakter bekommen, während gleichzeitig Pop- und Open-Air-Konzerte künstlerisch wie auf der Bühne in Szene gesetzt werden. Wo hört der künstlerische Anspruch auf und wo fängt der bloße Unterhaltungscharakter an? Das in Deutschland gebräuchliche Begriffspaar E- und U-Kultur ist überholt. Beides wächst zu einer neuen Integrationskultur zusammen, in der auch Reflexion und Emotion, Bildung und Unterhaltung zusammengehören.Das Votum der Bevölkerung ist eindeutig: Kultur heute schließt auch populäre Unterhaltungsangebote wie z.B. Kinos, Musicals oder Rock-Pop-Konzerte mit ein, die Zerstreuung und Erlebnisse bieten und einfach Freude machen. 78 Prozent der jüngeren Generation im Alter bis zu 34 Jahren wollen Kultur in diesem Sinne als Breitenkultur mit integrativer Wirkung verstanden wissen.
 
Kultur als Standortfaktor mit Blick auf wirtschaftliche Begleiteffekte und urbane Attraktivität ist zur Hauptantriebskraft für die Kulturpolitik im 21. Jahrhundert geworden. Die Bundesbürger sehen Berlin (71 Proezent), München (46 Prozent), Hamburg (41 Prozent) und Dresden (40 Prozent) als führende Kulturmetropolen in Deutschland. Erst mit großem Abstand folgen Leipzig, Köln, Weimar, Stuttgart, Frankfurt und Hannover. Neben dem Lohnwert und dem Wohnwert entwickelt sich nach Expertenmeinung der Kulturwert einer Stadt zum wichtigsten Standortfaktor. Insbesondere Manager und Führungskräfte machen ihre Entscheidung für eine berufliche Mobilität von der Qualität des örtlichen Kulturangebots abhängig. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung des Städtetourismus. Die Reisenden wollen in wenigen Tagen möglichst viel erleben. Für die Kulturpolitik bekommt die Steigerung der touristischen Attraktivität höchste Priorität. In Kulturmetropolen "muss" man einfach gewesen sein.
Quelle: BAT Freizeit-Forschungsinstitut; info@bat.de

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