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Neue EU-Mitglieder: Alte Sorgen trotz vieler Chancen

Die Bürger von neun Ländern, die vor rund zwei Jahren der EU beigetreten sind, haben angesichts ihrer Zugehörigkeit zur EU weiterhin große Hoffnungen, aber auch große Ängste. Auch für die kommenden fünf Jahre erwarten viele von ihnen eine ähnliche Entwicklung.
 
Zweieinhalb Jahre nach dem EU-Beitritt glauben rund zwei Drittel der neuen EU-Bürger weiterhin an verbesserte Berufs- und Ausbildungschancen im europäischen Ausland. Gleichzeitig sehen sich nach dem EU-Beitritt jedoch viele gestiegenen Preise und wachsender Korruption gegenüber. Rund ein Drittel spricht von einem gesunkenen Lebensstandard und einer zunehmenden Gefährdung von Arbeitsplätzen im Heimatland. Besonders ängstlich zeigen sich die Ungarn.
 
Arbeit und Ausbildung
 
Kurz nach dem EU-Beitritt im Jahr 2004 glaubten rund drei Viertel der Bürger in den neuen Mitgliedsstaaten, dass die Öffnung der Grenzen neue Möglichkeiten zu Ausbildung und Arbeit im europäischen Ausland verspricht. Ein Jahr später schlossen sich dieser Meinung nur knapp 60 Prozent an, heute immerhin wieder rund 70 Prozent. Die Spitze der Optimisten wird von Lettland angeführt. Rund 87 Prozent aller befragten Letten sehen eine positive Entwicklung der Arbeitsmöglichkeiten, 82 Prozent verbesserte Ausbildungsmöglichkeiten in anderen EU-Ländern. Über alle Länder hinweg sind es vor allem Studenten und die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, die die Situation besonders positiv sehen: Mehr als drei Viertel setzen durch den EU-Beitritt ihres Landes auf gute Chancen für Ausbildung und Beruf im europäischen Ausland. Personen mit Hauptschulabschluss waren mit 61 Prozent nicht ganz so optimistisch eingestellt, äußerten sich jedoch deutlich zuversichtlicher als vor zwei Jahren (45 Prozent). Geht es um die Sicherheit des Arbeitsplatzes im eigenen Land, machen sich jedoch deutliche Zweifel breit: Über ein Drittel der Befragungsteilnehmer befürchtet, dass die eigenen Arbeitsplätze gefährdet sind. Das ist die höchste Rate seit dem EU-Beitritt 2004. Gut ein weiteres Drittel rechnet mit keinerlei Veränderung in Bezug auf die eigene Arbeitsplatzsicherheit und nur jeder Fünfte – im letzten Jahr allerdings noch jeder Sechste – glaubt, dass sein Job sicherer geworden ist. Eine bemerkenswert Diskrepanz zeigt sich hierbei zwischen Ungarn und Estland: Ungarn ist das einzige Land, in dem die Mehrheit von einer sinkenden Arbeitsplatzsicherheit ausgeht: Mit 66 Prozent stehen die Ungarn auf Rang 1 der Liste der Pessimisten. Estland ist hingegen das einzige Land, in dem über die Hälfte der Befragten von einer erhöhten Arbeitsplatzsicherheit spricht.
 
Lebensstandard und Gesundheitswesen
 
Zwar sind die Hoffnungen auf einen verbesserten Lebensstandard, die die Angehörigen der neuen Beitrittsländer im Jahr 2004 äußerten, noch nicht wieder auf dem Niveau von damals angekommen. Allerdings zeichnet sich mittlerweile eine positive Entwicklung ab: Während 2004 noch fast jeder Dritte mit einen höheren Lebensstandard rechnete, war es im Jahr darauf nahezu nur jeder Siebte – 2006 rechnete jedoch wieder jeder vierte EUBürger mit einer Verbesserung seiner Lebensumstände. Die Annahme, das Niveau werde sinken, schrumpfte von 38 Prozent im Jahr 2004 auf 34 Prozent im Jahr 2006. Auffällig ist jedoch die Kluft zwischen einzelnen Beitrittsländern – einmal mehr besonders zwischen Ungarn und Estland. Während in Estland jeder Zweite meint, der Lebensstandard ist gestiegen, sind die Ungarn auch hier besonders pessimistisch: Über zwei Drittel der Magyaren sind vom Gegenteil überzeugt. Auch die Zahl der Menschen, die erwarteten, dass sich mit dem EU-Beitritt das Gesundheitswesen verbessert, ging zurück. Glaubten im Jahr 2004 noch knapp 35 Prozent daran, so sind heute nur noch 19 Prozent dieser Meinung.
 
Preisentwicklung
 
Erhöhte Preise hatten die neuen EU-Bürger bereits 2004 befürchtet – und sehen sich heute darin bestätigt. Wie im Vorjahr berichten im Länderdurchschnitt über drei Viertel der Menschen, dass die Preise in ihrem Land nach dem EU-Beitritt gestiegen sind. In Lettland glauben sogar 97 Prozent, in Estland 89 Prozent und in Ungarn 86 Prozent an einen erheblichen Preisanstieg. Weniger pessimistisch zeigen sich die Slowenen, allerdings sagt selbst dort jeder Zweite, dass sich die Preise erhöht haben.
 
Korruption und Angst vor Werteverlust
 
Bei der Frage, ob der Beitritt zur EU die Korruptionssituation verbessert hat, zeigen die Antworten im Trend einen pessimistischen Verlauf: Die Ansicht, dass die Korruption sich eher verschlimmert, ist über die letzten vier Jahre stetig um einige Prozentpunkte gewachsen und wird in diesem Jahr bereits von jedem zweiten Bürger der EU-Beitrittsländer vertreten. Das sind 7 Prozentpunkte mehr als im Jahre 2006 und 14 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2004. Ausgesprochen häufig trifft man diese Meinung mit 72 Prozent in Zypern an. An eine verminderte Korruption glauben im Durchschnitt aller Länder nur 7 Prozent. Am positivsten sind hier die Menschen in Slowenien eingestellt: In dem schon fast westlichsten der neuen Beitrittsländer glauben immerhin 18 Prozent, eine Verbesserung der Missstände zu beobachten. Nicht besonders viel Einfluss durch die wirtschaftliche Öffnung gen Westen spüren die Menschen auf ihre nationalen Werte und die eigene Identität: Nur 22 Prozent bemerken einen Identitätsverlust. 18 Prozent hingegen gehen davon aus, dass man sogar an Identitätsgefühl gewonnen hat. Die Mehrheit sieht die Dinge jedoch gelassen und meint, dass der EU-Beitritt ihre Traditionen und Werte nicht beeinflusst hat.
 
Optimismus für die Zukunft
 
In der Fünfjahresperspektive fällt die Einschätzung der Menschen bei fast allen Aspekten etwas freundlicher aus. Mittelfristig sehen mehr Bürger der EU-Beitrittsländer als heute die Entwicklung der Arbeitsplatzsicherheit, des Gesundheitswesens, des eigenen Lebensstandards und der Korruption im eigenen Land positiv. Besonders in punkto Gesundheitswesen glauben viele an eine Besserung: Während heute 19 Prozent daran glauben, dass es in ihrem Land aufwärts geht, rechnen bezogen auf die kommenden fünf Jahre 38 Prozent damit. Auch bezüglich ihrer Arbeitssicherheit äußern sich die Menschen mittelfristig deutlich optimistischer: 31 Prozent hoffen auf längere Sicht, dass diese sich erhöhen wird – das sind 10 Prozentpunkte mehr als heute. Bei der Preisentwicklung beurteilen die Befragten die mittelfristigen Aussichten jedoch weiterhin pessimistisch: Drei Viertel von ihnen rechnen auch in den kommenden Jahren mit einen Anstieg der Preise im Land.
 
Zur Studie
 
In der aktuellen von der GfK Custom Research Worldwide durchgeführten EU-Index-Studie wurden 7.320 Personen in neun Ländern, die am 1. Mai 2004 zur Europäischen Union beitraten, befragt. Ihnen wurde die folgende Frage gestellt: „Wie schätzen Sie die folgenden Punkte ein, nachdem Ihr Land der EU beigetreten ist, und wie sehen Sie die Entwicklung in fünf Jahren bezüglich Arbeitsplatzsicherheit, Gesundheitswesen, Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in anderen EU-Ländern, Schätzen nationaler Werte und Traditionen, Lebensstandard, Korruption und Preisniveau?“ Bei den in die Studie einbezogenen Ländern handelt es sich um Estland, Lettland, Malta, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern. Die Befragung fand zwischen dem 11. Oktober und dem 29. November 2006 statt.
 
Quelle: GfK Gruppe; www.gfk.com

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