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Editor's Pick


Neues aus der Beletage - Das Selbstbild der Reichen

Gut 400 000 Deutsche hatten im Jahr 2006 ein Vermögen von einer halben Million Euro oder mehr, und ihre Zahl nimmt ständig zu - etwa um sechs Prozent im Jahr. Das heißt, es gibt immer mehr reiche Leute in Deutschland. Doch wie sieht sie aus, die Lebenswelt der Millionäre?
 
"Lieber reich und gesund, als arm und krank" - das ist der Wahlspruch von Dagobert Duck, dem wohl bekanntesten Millionär der Welt. Wer kennt ihn nicht, den alten, unfreundlichen Knauserer und Misanthropen, der seine eigene Familie schlecht behandelt und lediglich an gut gefüllten Geldspeichern interessiert ist. Dagobert Duck - häufig sieht so das Klischee der Reichen aus, das uns von Kindesbeinen an begleitet. Sicher ein überzogenes Bild - gleichwohl wünschen sich viele von uns insgeheim, auch mal im Geld baden zu können.
 
Diese Diskrepanz - Neid und Ablehnung auf der einen Seite, Objekt fremder Begierden andererseits - spüren auch die Reichen. Sie wissen genau, dass sie eben nicht "normale Menschen wie Du und ich" sind. Und sie haben häufig die Überzeugung, besser als der Durchschnitt zu sein und ihren Reichtum verdient zu haben.
 
Hinter dem Vermögen steht schließlich ein erfolgreicher Mensch, eine starke Persönlichkeit - Geld ist dabei nur Ausdruck des Erfolgs. Das ist das typische Selbstbild der von Sinus Sociovision befragten Millionäre. 58 Frauen und Männer im Alter zwischen 40 und 60 Jahren nahmen an der qualitativen Studie teil. Jeder von ihnen verfügt über ein Vermögen von mindestens einer Million Euro bis weit über 10 Millionen. Als "Reiche" begreifen sich dennoch die wenigsten - eher als "wohlhabend" oder "vermögend". Denn Reichtum ist relativ. Es gibt immer noch viel Reichere als man selbst.
 
Alle sehen ihre persönlichen Fähigkeiten, wie Mut, Willens- und Führungsstärke als Grundpfeiler ihres Erfolgs. Sie haben sich ihr Vermögen selbst erarbeitet oder sichern und mehren ererbtes Vermögen mit harter Arbeit. Sie sind ehrgeizig, sie sind stolz auf sich, sie sehen sich als wichtige Pfeiler der Gesellschaft. Denn Vermögen zu haben bedeutet für sie weit mehr als die Anhäufung materieller Güter. Ethische Haltungen und immaterielle Werte spielen eine große Rolle. Erfolg und Leistung stehen dabei zwar im Mittelpunkt, doch der persönliche Leistungswille wird begleitet von einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl. Die meisten vermögenden Menschen sind eben keine Dagobert Ducks, die lediglich an ihre Geldspeicher denken, sondern sehen ihren Erfolg auch als Baustein gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung. Dafür, so sehen sie es, stehen sie nicht selten (bei der Übernahme geschäftlicher Risiken) mit ihrem Vermögen ein.
 
Und dafür erwarten sie eigentlich die Anerkennung der Gesellschaft. Statt dessen sehen sie sich oft von "Neidern" umringt, die nur das viele Geld sehen. Dieses Selbstbild im Konflikt mit der Fremdwahrnehmung und dem Verhalten ihrer Umwelt schaffen Distanz. Vermögende Menschen haben ein gesundes Mißtrauen, fühlen sich oft unverstanden, ziehen deshalb strikte Grenzen. Was bleibt, ist der Rückzug in den "inner circle", das heißt, in die eigene Familie, den Freundeskreis und mancherlei formelle und informelle Netzwerke. Mit anderen Worten: Millionäre bleiben gerne unter sich, sie pflegen eine "Entre-Nous-Mentalität", und in ihre Kreise kommt kaum einer rein.
 
Dieses Klientel ist scheu wie ein Reh, deswegen gab es bisher kaum Studien über Lebenswelt und Selbstbild der Millionäre. Um so erstaunlicher, dass sich im Rahmen der Studie viele der Befragten öffneten und einen Blick hinter die Fassade von Reichtum und Glanz gewährten. Dass Geld allein nicht unbedingt glücklich macht, mag eine Binsenweisheit sein. Doch zeigte sich deutlich, dass viele vermögende Menschen geradezu unter ihrem verzehrenden Erfolg, unter Zeitmangel und Stress leiden. Oft bleibt die Freiheit, sich zu verwirklichen, das eigene Leben zu bestimmen, den Wohlstand zu genießen, auf der Strecke. Der Wunsch "endlich mal das machen zu dürfen, was man will und Dinge voll auszukosten", wird so immer wieder verschoben, bleibt oft nur eine Idee.
 
Auch das Verhältnis zum Geld ist voll scheinbarer Widersprüche: Auf der einen Seite behandelt man das Thema betont gelassen, andererseits legt man großen Wert auf eine rege Vermehrung des Geldes. Vermögende können höchst großzügig sein, achten aber auch bei Kleinstbeträgen auf korrekte Abrechnung.
 
Bei den Banken gelten die Vermögenden als besondere Top-Kunden, die sie umwerben und denen sie mit "Wealth Management" oder "Private Banking" einen besonderen Status einräumen. Doch gerade da sind viele unserer Befragten enttäuscht: Das fängt bereits beim Erscheinungsbild der Bank an, der Kunde wünscht sich ein gepflegtes und stilvolles Beratungsambiente und keine Bankautomaten auf der Straße oder in nüchternen Schalterhallen. Und es geht beim Berater weiter, der für die Vermögenden eine Schlüsselfunktion hat. Die Ansprüche an Banken und ihre Berater sind hoch, die Unzufriedenheit mit den bisherigen Angeboten auch.
 
Zeit ist das kostbarste Gut für Vermögende, entsprechend wünschen sie sich bei ihrer Bank einen vertrauensvollen und kompetenten Ansprechpartner, der sie langfristig und auf Augenhöhe berät und ihnen Arbeit abnimmt. Sie erwarten von ihrem Bankberater soziale Kompetenz, eine individuelle Beziehung und nachhaltige Beratung, Verantwortungsbewusstsein und vor allem einen perfekten Rundum-Service. Offenbar aber werden diese Ansprüche bisher nicht erfüllt. Dabei werden die großen Kreditinstitute genauso kritisiert wie die Privatbanken.
 
Geradezu abstoßend wirken auf Millionäre die vielen Anglizismen, gerade auch im Marketing. Sie empfinden die deutsche Sprache als einen kulturellen Kern unseres Landes, Anglizismen dagegen als Anbiederung an einen verqueren und oberflächlichen Zeitgeist.
 
Quelle: Sinus Sociovision; www.sinus-sociovision.de

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