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Sarrazin für ein Viertel wählbar

© Holger Lang / PIXELIO 

 © Holger Lang / PIXELIO

Das Potenzial für eine mögliche rechtspopulistische Partei unter Führung von Thilo Sarrazin ist in Deutschland offenbar größer als bislang angenommen. Für 26 Prozent aller Befragten wäre eine sogenannte „Sarrazin-Partei“ demnach grundsätzlich wählbar. Bislang kamen Erhebungen auf ein Potenzial von rund 18 Prozent.
 
Wie kommen diese unterschiedlichen Zahlen zustande? Bei emotional aufgeladenen und vorbelasteten Themen ist die Gefahr groß, dass sich in den Antworten von Befragten Vorurteile und Ressentiments, aber auch wahrgenommene politische Korrektheit widerspiegeln. Um dies zu vermeiden und beispielsweise sozial als erwünscht geltende Antworten auszuschließen, griffen die Forscher auf eine innovative Methode zurück.
 
Prof. Dr. Thorsten Faas, Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Wählerverhalten Fakultät für Sozialwissenschaften Universität Mannheim 

 Prof. Dr. Thorsten Faas, Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Wählerverhalten Fakultät für Sozialwissenschaften Universität Mannheim

Professor Dr. Thorsten Faas, Politikwissenschaftler der Universität Mannheim und Projektleiter am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) führte gemeinsam mit YouGovPsychonomics AG eine repräsentative Befragung durch. Faas erläuter die Erhebungsmethode – ein so genanntes „List Experiment“ wie folgt: „Wir nannten 500 repräsentativ ausgewählten Menschen eine Liste mit einigen bekannten Politikern inklusive Sarrazin. 500 andere, ebenfalls repräsentativ ausgewählte Menschen, bekamen diese Liste ohne Sarrazin“, erläutert Faas. „Dann fragten wir nicht etwa, wem die Menschen ihre Stimme geben würden, sondern lediglich, welche Anzahl an Parteien auf beiden Listen als grundsätzlich wählbar angesehen wird.“
 
Das Ergebnis: Die Befragten, die Sarrazin auf der Liste hatten, gaben im Schnitt 1,83 Parteien an, die für sie wählbar sind. Die Gruppe der Befragten ohne Sarrazin fand dagegen im Schnitt nur 1,57 Parteien wählbar. Die Differenz von 0,26 könne nur auf Sarrazin zurückgeführt werden, so Faas. Dessen Wählerpotenzial liege folglich bei 26 Prozent.
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