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Schwere Zeiten für Zigarettenhandel

Die deutsche Zigarettenindustrie hat in 2004 die schlechteste Jahresbilanz der letzten Jahrzehnte vorgelegt und musste bereits mit Entlassungen und Produktionsverlagerungen reagieren. Es kam bei Zigaretten zu einem Absatzverlust von knapp 14 Prozent im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (inklusive Aldi, Großmärkten und Drogeriemärkten). Die Discounter konnten sich im Bundesdurchschnitt über ihre Eigenmarken noch relativ gut behaupten und letztendlich Anteile gewinnen. Am stärksten betroffen ist der klassische Lebensmitteleinzelhandel mit seinem hohen Anteil an Industrie-Marken. Insbesondere in den östlichen Bundesländern ist der Absatz regelrecht zusammengebrochen. Speziell in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit der 800 km langen Grenze zu Polen erlitt der Handel ein Minus von fast 25 Prozent. Auch in Sachsen, Thüringen mit der Hauptgrenze zu Tschechien sieht es mit einem Minus von knapp 20 Prozent kaum besser aus. Keine Erklärung dieses Phänomens bietet die zunehmende Verbreitung von Feinschnitt-Tabaken zum Selbstdrehen, bzw. -stopfen. Dieser Trend geht zwar zu Lasten der klassischen Zigarette, aber die Wachstumsraten für Feinschnitt sind in West- und Ostdeutschland relativ gleich.
 
Gerhard Boller, Tabakexperte bei ACNielsen, kommentiert: "Als Folge der jüngsten Preiserhöhungen decken sich die Verbraucher zunehmend über das billige Ausland bzw. Schwarzmärkte mit Zigaretten ein. So kostet nach letzten Meldungen eine Packung Marlboro Kingsize in Polen beispielsweise nur ungefähr einen Euro, sprich viermal weniger als hierzulande." Diese Einschätzung wird auch durch die kürzlich vom Bundesfinanzministerium vorgelegte Zollbilanz gestützt. Laut Ministerium wurden vom deutschen Zoll im Jahr 2004 rund 418 Millionen geschmuggelte Zigaretten sichergestellt. Entfällt für den Verbraucher der preisliche Vorteil, zum Beispiel bei einem Wochenendtrip ins benachbarte Ausland auch billig Zigaretten einkaufen zu können, dann bleibt der inländische Handel eher ungeschoren. So liegt das Absatzminus in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland bei "nur" 13,6 Prozent, denn in Frankreich sind die Zigaretten sogar noch teurer als in Deutschland. Betrachtet man die einzelnen Hersteller, dann ist dieser "Ost-Effekt" bei allen erkennbar. Überraschenderweise sind die billigsten inländischen Zigarettenangebote im Handel, nämlich die Handelsmarken, im Osten am stärksten betroffen. Handelsmarken verlieren in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit minus 35 Prozent überproportional an allen Zigaretten. Es scheint so, dass gerade die preissensiblen Handelsmarkenkäufer am ehesten zu den noch günstigeren Alternativen aus Polen und Tschechien greifen.
Quelle: AC Nielsen; www.acnielsen.de

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