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Statt Gott die Familie als neue Glaubens-Gemeinschaft?

Geht Gott verloren? Jeder dritte Deutsche ist mittlerweile konfessionslos. Deutschland, so scheint es, ist fast entchristlicht. Und doch gehen jeden Sonntag nachweislich mehr Bundesbürger in die Kirche als in das Fußballstadion. Auf einen Bundesligazuschauer am Wochenende (ca. 0,7 Mio) kommen sieben Gottesdienstbesucher (ca. 5 Mio). Andererseits stellt Deutschland im europäischen Religionsvergleich (einschließlich Ungarn und Russland) das Schlusslicht dar. Nur für knapp ein Viertel der Bundesbürger (24%) ist die Religion ein wichtiger Teil der Lebensqualität. Bei den Italienern wird die Religion doppelt so hoch bewertet (48%). Dies geht aus Repräsentativbefragungen der BAT Stiftung für Zukunftsfragen hervor, in denen jeweils 1.000 Personen ab 14 Jahren in neun Ländern befragt wurden.
 
Religion ist etwas ganz Persönliches, ja Individualistisches geworden. Für die Bundesbürger gilt das Toleranzprinzip, wonach jeder nach seiner Façon selig werden soll. 93 Prozent der Bevölkerung vertreten die Auffassung: "Jeder soll die Religion haben, die er will." Darin sind sich fast alle einig - quer durch alle Bevölkerungsgruppen. Religion ist den Bundesbürgern so nah und so persönlich wie die eigene Gesundheit.
 
Der Beliebigkeit setzen die Deutschen wieder die Beständigkeit des Lebens entgegen: die Stabilität der Familie (71%), die dauerhafte Partnerschaft (52%) und die lebenslange Begleitung der Kinder (55%). Was am Ende eines langen Lebens zählt, ist das sichere Haus der Familie, sind Partner und Kinder als Garanten des Glücks und Lebenssinns. Und jeder zweite Bundesbürger baut zusätzlich auf die eigenen Freunde (49%), vertraut ihnen und ihrer Verlässlichkeit.
 
In der Glaubenswelt der Deutschen spiegelt sich die DDR- und BRD-Geschichte wider. Fast dreimal so hoch ist der Anteil der Westdeutschen (20,5% - Ostdeutsche: 7,6%), denen ihr Glaube an Gott heilig ist, und fast doppelt so hoch das Bekenntnis zur Kirche (11,2% - Ostdeutsche 5,8%). Intensiver und mehr wird auch in Westdeutschland (10,9%) als in Ostdeutschland (5,3%) gebetet. Die Gläubigsten leben in Baden-Württemberg (29,0%), gefolgt von den Bewohnern in Rheinland-Pfalz (27,0%), Saarland (26,3%), Hessen (25,5%) und Bayern (23,5%). Den geringsten Anteil von Gottesgläubigen verzeichnen hingegen die Bundesländer Schleswig-Holstein (4,3%), Mecklenburg-Vorpommern (4,0%) und Sachsen-Anhalt (1,6%).
 
Religion wird zum Demographiefaktor: Konsum und Geld regieren die Welt der Jugend (80%), während die Religion in dieser Lebensphase geradezu ein Nischendasein (26%) führt. Mit dem Erreichen der Altersgrenze um 65 jedoch erfährt das bloße Konsumdenken einen dramatischen Absturz (58%), während sich gleichzeitig die Lebensbedeutung der Religion mehr als verdoppelt (56%).
 
Die Familie ist den Deutschen heilig. Fast drei Viertel der Deutschen (71%) empfinden die eigene Familie als die Glaubensgemeinschaft, während die Zugehörigkeit zur Kirche beinahe in Bedeutungslosigkeit versinkt (10% - Jugendliche: 1%). Lediglich die Singles stehen der Familie etwas reservierter gegenüber (49%), ohne dass die Kirche (4%) diese Bedeutungslosigkeit ausgleichen könnte. Ganz im Gegenteil: Die Kirche liegt an letzter Stelle, wenn es um die Frage geht, was den Deutschen heilig ist.
 
Vieleicht , so folgern die Forscher vom Institut für Zukunftsfragen, ist Religiosität heute nur ein anderes Wort für Humanität. So weist die Repräsentativbefragung der BAT Stiftung für Zukunftsfragen überzeugend nach, dass hochreligiöse Menschen in besonderem Maße geprägt sind von der Ehrfurcht vor dem Leben, der Ehrfurcht vor der Natur und der Achtung vor der Menschenwürde. "Hochreligiös" sind Menschen, die an Gott glauben, regelmäßig beten, einer Kirche angehören und sich selbst als religiös bezeichnen. Wer hingegen gott- und religionslos lebt, legt deutlich weniger Wert auf Natur und Menschenwürde, Verlässlichkeit und Toleranz. Diese Werte sind aber der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft in Zukunft zusammenhält.
 
Quelle: BAT Institut für Zukunftsfragen; www.bat.de

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