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Typologie zum Finanzverhalten privater Investoren in Europa

Obwohl sich die privaten Investoren in den verschiedenen europäischen Ländern immer homogener verhalten, gibt es nach wie vor signifikante Unterschiede. So neigen britische Kapitalanleger am stärksten zu Aktien, besitzen die größte Vielfalt an Finanzprodukten und die meisten Bankverbindungen. Sie können sich einen Wechsel ihrer Bankverbindung vorstellen und misstrauen Finanzberatern, die nur eigene Produkte anbieten. Demgegenüber sind deutsche Anleger von allen Investoren die risikoscheuesten und sehr vorsichtig in finanziellen Angelegenheiten.
 
In Frankreich delegieren die Anleger ihre finanziellen Entscheidungen oft an Berater und bevorzugen Investmentfonds. Italienische Anleger sind dagegen gern bereit für riskante Anlageentscheidungen. Sie würden auch am ehesten die Dienstleistungen einer anderen Bank nutzen. Spanische Investoren wechseln häufig ihre Bank, haben aber das größte Vertrauen in ihre Berater auch wenn sie keine Fremdprodukte anbieten. Belgische Anleger wollen gerne in das tägliche Management ihrer Geldanlagen einbezogen werden und besitzen die traditionellsten Anlageprodukte.
 
Dies sind zentrale Ergebnisse des neuen European Affluent Monitor, die das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen NFO Infratest veröffentlicht hat. Dieser Monitor liefert kontinuierlich präzise Informationen über das Finanzverhalten und die Einstellungen der wohlhabenden Europäer in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Der Erfolg eines Finanzinstituts in diesem Marktsegment hängt zu einem großen Teil von seiner Fähigkeit ab, die Einstellungen und Beweggründe von potenziellen Kunden in verschiedenen Ländern zu verstehen, so die Finanzforscher von NFO Infratest.
 
Mit dem European Affluent Monitor hat NFO Infratest darüber hinaus eine Typologie von sechs verschiedenen Anleger-Charakteren erstellt, die den europäischen Markt dominieren:
 
1. Der Delegierende, Risiko-averse Laie
 
stellt 22% der europäischen wohlhabenden Anleger dar - mit durchschnittlich 130.000 Euro liquidem Kapitalvermögen. Damit ist er der am wenigsten wohlhabende Anlegertyp in dieser Untersuchung. Sein Interesse an Finanzangelegenheiten ist von allen Anlegertypen am geringsten. Seine Anlageentscheidungen überlässt er gewöhnlich einem Partner, einem unabhängigen Finanzberater oder einem Bankberater. Frauen und medizinische Berufe sind in dieser Gruppe überrepräsentiert.
 
2. Der Loyale Kunde mit geringem Interesse an finanziellen Angelegenheiten:
 
Mit einem Anteil von 19% am europäischen Anlegermarkt hat dieser Investorentyp auch ein nur geringes Interesse und kaum Erfahrung in finanziellen Angelegenheiten. Er besitzt nur wenige verschiedene Anlageprodukte. Der durchschnittliche Wert seines liquiden Kapitalvermögens beträgt 162.000 Euro. Dieser Kundentyp legt großen Wert auf Sicherheit: Nur 30% sind bereit, bei ihrem Investment kalkulierte Risiken einzugehen. Sie sind der loyalste Kundentyp mit durchschnittlich zwei Bankverbindungen. Nur 14% wechselten die Bankverbindung oder verlagerten den Schwerpunkt ihrer Transaktionen auf ein anderes Finanzinstitut in den letzten fünf Jahren. In dieser Gruppe sind Leitende Beamte überrepräsentiert.
 
3. Der Anspruchsvolle, Argwöhnische Ratsucher
 
stellt 17% des Anlegermarktes dar. Dieser risikofreudige Anlegertyp ist für ein Finanzinstitut die größte Herausforderung. Er hat übermäßig hohe Erwartungen, ist schnell von der Leistung einer Bank enttäuscht und stellt dann oft ihre fachliche Kompetenz in Anlageentscheidungen in Frage. 90% dieser Kunden glauben, ein Finanzberater könne nicht wirklich objektiv sein, wenn er keine Fremdprodukte anbietet. Und 68% fürchten, sie verpassen attraktive ausländische Geldanlagemöglichkeiten, weil ihnen die entsprechende Beratung fehlt. Trotzdem haben diese Anleger keine Zeit, sich um ihre Anlagen zu kümmern. Sie sind deshalb immer stark auf Beratung angewiesen. Mit drei Bankverbindungen stellen sie den illoyalsten Kundentyp dar - 22% haben in den letzten fünf Jahren die Bankverbindung gewechselt oder den Schwerpunkt verlagert. 88% ziehen dies in Betracht, falls ihnen eine bessere Anlageberatung zugesichert wird. Mit 139.000 Euro verfügt dieser Kundentyp über ein unterdurchschnittliches liquides Kapitalvermögen.
 
4. Der Unabhängige, Risikofreudige Experte:
 
Sein Wohlstand ist innerhalb der letzten Jahre deutlich geringer worden. Auf dem europäischen Markt ist er der am wenigsten verbreitete Anlegertyp und besitzt durchschnittlich 164.000 Euro liquides Kapitalvermögen. Er besitzt mit rund fünf die meisten Anlageprodukte und fühlt sich am stärksten zu risikoreichen Anlageentscheidungen hingezogen. 72% sind bereit, kalkulierte Risiken einzugehen. Nur 12% ziehen Investmentfonds den Aktien vor. Diese Kunden treffen Entscheidungen lieber alleine. 97% benötigen selbst für größere Anlageentscheidungen nur wenig Beratung. Männliche Anleger sowie Wirtschafts- und Rechtsberater sind in dieser Gruppe überrepräsentiert.
 
5. Der Durchschnittliche, Zufriedene Kunde
 
hat einen Anteil von 15% und ist mit durchschnittlich 177.000 Euro liquidem Kapitalvermögen zum wohlhabendsten Anlegertyp geworden. Er vertraut dem Fachwissen seiner Bank: Nur 12% dieser Kunden sind mit der fachlichen Kompetenz ihres Beraters unzufrieden. Sie sind zu Risiken bereit, wenn ihnen die Bank dies empfiehlt - durchschnittlich loyale Kunden mit einer durchschnittlichen Vielfalt an Anlageprodukten.
 
6. Der Unsichere, Unzufriedene Do-it-yourself Anleger
 
stellt 15% des Anlegermarkts dar und besitzt durchschnittlich 172.000 Euro an liquidem Kapitalvermögen. Dieser Kunde will seine finanziellen Entscheidungen nicht delegieren. 72% beschäftigen sich lieber selbst mit dem täglichen Management ihrer Geldanlagen und wollen nicht auf Beratung angewiesen sein. 69% brauchen nur wenig Beratung für größere Anlageentscheidungen. Dieser Anlegertyp ist jedoch wegen mangelnder Erfahrung in finanziellen Angelegenheiten unsicher und nicht zufrieden mit seiner derzeitigen Bank. 82% sind für eine bessere Anlageberatung zu einem Wechsel zu einem anderen Finanzinstitut bereit. Ihr Interesse an finanziellen Angelegenheiten und auch an riskanten Investitionen ist zwar groß, doch können 74% dieser Investoren sie aus Zeitmangel nicht selbst regeln. Männer sind in dieser Gruppe überrepräsentiert.
 
Für den "European Affluent Monitor (EAM)" wurden 4.400 besserverdienende private Investoren befragt. Zielpersonen waren Angehörige medizinischer, wirtschafts- und rechtsberatender Berufe, selbständige Unternehmer, Firmeninhaber, leitende Angestellte und Beamte, die eine Grundgesamtheit von 4,9 Millionen Europäern darstellen. Themen der Untersuchung waren Image und Wahrnehmung von Banken und Versicherungen, Produktnutzung, ausgeführte und geplante Bankenwechsel, bevorzugte Vertriebswege, Einstellung gegenüber ausländischen Banken und Online-Banking, finanzielle Vorsorge, Vermögensanalyse und Beratung.
 
Quelle: NFO Infratest GmbH & Co. KG / NFO Europe; martin.koegel@nfoeurope.com

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