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Vom Wohlfahrtsstaat zum neuen Generationenpakt?

Der Generationenvertrag traditioneller Prägung kann die sozialen Herausforderungen der Zukunft allein nicht lösen. Erst das soziale Netz - insbesondere der Familie - garantiert einen Lastenausgleich mit Nachhaltigkeitswirkungen, die weit über das Jahr 2030 hinausreichen, weil die Generationen auch in Zukunft aufeinander angewiesen bleiben. Der Verlust von Familie und Freunden lässt sich im Alter durch Geld nicht mehr ausgleichen. Eine verlässliche Altersversorgung gleicht einem stabilen Haus der Zukunftsvorsorge, das auf den drei Säulen Armutsvermeidung, Lebensstandardsicherung und Lebensqualitätssicherung steht. Keine Säule ist durch eine andere ersetzbar und austauschbar. Die gesetzliche Grundversorgung wird ergänzt durch die private Zusatzversorgung und die soziale Altersversorgung.
 
Fast jeder zweite Bundesbürger (49 Prozent) sichert sich inzwischen durch private Lebensversicherungen ab (1997: 45 Prozent). Jeweils knapp ein Drittel der Bevölkerung vertraut auf die Rücklagen des eigenen Sparbuchs und auf die Wertbeständigkeit von Immobilien, die in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen haben. Auch der Bausparvertrag bleibt für 21 Prozent der Bürger eine wichtige materielle Vorsorgemaßnahme für die jüngere Generation verständlicherweise mehr (23%) als etwa für die 50plus-Generation (9%). Einen relativ geringen Stellenwert nimmt mit 11 Prozent der Erwerb von Aktien und Wertpapieren ein. Lediglich die Bezieher von Haushaltsnettoeinkommen mit über 2.500 Euro nutzen die Geldanlage mehr (21 Prozent).
 
Als umfangreichste und beständigste Zukunftsvorsorge aber wird die soziale Altersversorgung eingestuft, weil sie Lebensqualität bis ins hohe Alter sichern hilft. Dazu gehört für 56 Prozent der Bundesbürger die Erhaltung familiärer Bindungen, worauf die Frauen deutlich mehr Wert legen als die Männer. An sozialer Bedeutung deutlich hinzugewonnen hat in den letzten Jahren der Freundeskreis, mit 56 Prozent im Jahr 2003 gegenüber 50 Prozent im Jahr 1997. Eine neue Zukunftschance zeichnet sich auch für die Vereine ab. Etwa jeder Sechste betrachtet den Vereinsbeitritt als eine weitere Variante der persönlichen Zukunftsvorsorge. Viele Urteile und Vorurteile über die Generationenbeziehungen zwischen Jung und Alt sind nicht länger haltbar: Mit dem Klischee "Viele Alte verprassen die Erbschaft ihrer Kinder und Enkel" können 94 Prozent der Bevölkerung überhaupt nichts anfangen, ebensoviele lehnen die Aussage "Die Alten leben auf Kosten der Jungen" ab. Gegenseitige Hilfeleistungen materieller und immaterieller Art fangen früh an und hören eigentlich nie auf. Sieben Prozent der jüngeren Generation im Alter bis zu 29 Jahren unterstützen ihre Eltern regelmäßig durch Geld. Hinzu kommen nichtmonetäre Hilfeleistungen durch Sachmittel und beinahe ein Viertel der unter 29-Jährigen leistet regelmäßig persönliche Hilfen wie Haushaltsarbeiten, Besorgungen und Betreuung. 33 Prozent der mittleren Altersgruppen unterstützen ihre Kinder, auch wenn sie nicht mehr bei den Eltern wohnen, regelmäßig durch Geld, auch Sachmittel fließen in nicht unerheblichem Umfang (26 Prozent), ebenso wie persönliche Hilfen (23%) bei der Erledigung alltäglicher Aufgaben. Gleichzeitig stehen sie wiederum ihren Eltern für persönliche Unterstützungen zur Verfügung. Die mittlere Generation ist als sogenannte "Sandwich-Generation" also doppelt gefordert. Die Älteren leisten erhebliche Transfers an ihre Kinder: Geld (28 Prozent), Sachmittel (20 Prozent) und persönliche Hilfen (20 Prozent). Über 65-jäh-rige Eltern leisten siebenmal so viele Geldzahlungen an ihre erwachsenen Kinder, als sie von diesen zurückerhalten. Dafür ist das Verhältnis im Bereich der persönlichen Hilfen relativ ausgeglichen.
 
Im Jahr 2040 wird jeder dritte Deutsche keine Kinder und noch weniger werden Enkel haben. Die Familiengröße wird in Zukunft sicher kleiner, aber die (Mehr-) Generationenfamilie im Hinblick auf die gleichzeitige Präsenz verschiedener Generationen nimmt an Bedeutung zu. Vieles deutet auf eine verstärkte soziale Solidarität zwischen den Generationen hin. Die Älteren in der Familie intensivieren dabei aktiv den Familienzusammenhalt. Neben dem alten Generationenvertrag entwickelt sich ein neuer Generationenpakt: die gelebte Solidarität zwischen den Generationen. Das Statistische Bundesamt weist nach, dass die wichtigste Einkommensquelle der Deutschen - neben dem Arbeitseinkommen mit 40 Prozent nicht die Rente oder Pension (23 Prozent) sondern die Familie (30 Prozent) ist.
Quelle: BAT Freizeit-Forschungsinstitut; info@bat.de

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