ANZEIGE
Folgen Sie uns:
planung & analyse GmbH auf facebook.de planung & analyse auf twitter.de planung & analyse GmbH auf google+ planung & analyse GmbH auf xing

Editor's Pick


Wirtschaftskrise bestimmt Sorgen der Europäer

Die diesjährige Sorgenliste der Europäer wird von der Finanz- und Wirtschaftskrise dominiert. Trauriger Spitzenreiter im gesamteuropäischen Sorgenranking ist erneut die Arbeitsmarktproblematik. Im letzten Jahr kurzfristig von Platz 1 verdrängt, nimmt die Besorgnis der Bürger hier wieder deutlich zu. Ein sehr starker Anstieg zeigt sich bei der Beunruhigung über die wirtschaftliche Stabilität. Das Thema war im Jahr 2008 gar nicht in den europäischen Top 10 vertreten, besetzt in diesem Jahr aber Platz 2. Bei der Sorge um die Preis- und Kaufkraftentwicklung hingegen entspannt sich die Lage in diesem Jahr. Auch in Deutschland belegt die Arbeitsmarktproblematik Platz 1 im Ranking.
 
Nach einem kontinuierlichen Rückgang in den letzten Jahren ist die Sorge der deutschen Bürger in Bezug auf die Arbeitslosigkeit 2009 mit einem Zuwachs von 4 Prozentpunkten wieder leicht angestiegen. Mit derzeit 57 Prozent bleibt die Arbeitsmarktproblematik mit Abstand das Thema Nummer 1 in Deutschland. Anfang 2009 zeigte der konjunkturelle Abschwung erste Auswirkungen. Die Erwerbstätigenzahl lag erneut knapp unter der magischen 40-Millionen-Marke; die Arbeitslosenquote stieg nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) im Januar diesen Jahres um 0,1 Zähler auf 7,3 Prozent.
 
Einen rasanten Anstieg verzeichnet die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Nach Rang 15 im letzten Jahr belegt sie nun mit 36 Prozent der Nennungen den zweiten Platz. Hauptgrund ist die viel diskutierte, durch die so genannte Bankenkrise ausgelöste Rezession, die auch in Deutschland zu spüren ist. Somit prangern 13 Prozent der Bundesbürger konkret die Finanz- und Bankenkrise an, 11 Prozent nennen die Wirtschaftskrise. Mit beachtlichem Abstand zu Rang 2 belegt das Thema Bildung mit 14 Prozent der Nennungen den dritten Platz der Sorgenliste. Insbesondere durch die Pisa-Studien ist das Bildungssystem hierzulande mehr und mehr in die Diskussion geraten. Deutlich weniger Sorgen als noch im Vorjahr bereiten den Deutschen die Renten beziehungsweise die Altersversorgung. Nach einem Anstieg in den letzten Jahren ist die Bedeutung des Themas im Vergleich zum Vorjahr um 14 Punkte auf 9 Prozent gefallen.
 
Die Sorge um die Entwicklung von Preisen und Kaufkraft liegt im aktuellen Ranking auf Platz 4. Allerdings sehen hier nur noch 13 Prozent der Bürger ein Problem. Im letzten Jahr waren es noch 37 Prozent. Das Thema der sozialen Sicherung stellt wie auch im Vorjahr für 13 Prozent der Deutschen ein Problem dar. Ähnlich hohe Werte wurden zuvor nur gegen Ende der letzten Rezession in den Jahren 2003 und 2004 erreicht.
 
Die Arbeitslosigkeit nimmt als größtes Problem in Ost und West die zentrale Stellung ein. Im Jahr 2009 klettert die Besorgnis im Westen von 51 auf 55 Prozent und nähert sich dem Niveau im Osten an (unverändert 63 Prozent). Die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands stellt in beiden Teilen des Landes ein deutlich größeres Problem dar als noch im vergangenen Jahr und liegt aktuell auf Platz 2. Zeigten sich in den vergangenen Jahren die Bürger im Osten tendenziell beunruhigter, dreht sich nun das Verhältnis um. Insgesamt 38 Prozent der westdeutschen Verbraucher zeigten sich besorgt angesichts der Konjunktur, im Osten liegt dieser Wert bei 29 Prozent.
 
Mit einem Anstieg um 15 Prozentpunkte auf 39 Prozent führt die Arbeitslosigkeit die gesamteuropäische Sorgenliste an. In Spanien, wo sich die Krise bereits in einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen bemerkbar macht, sind die Menschen besonders beunruhigt (67 Prozent). Mit einigem Abstand folgen Deutschland (57 Prozent) und Frankreich (54 Prozent). Jeweils mehr als 40 Prozent der Bürger beschäftigt der Mangel an Arbeitsplätzen in Italien, Polen und Österreich; auch dort ist die Arbeitsmarktsituation das wichtigste Problem. In Belgien ist etwa ein Viertel der Menschen besorgt, in Großbritannien und Russland je etwa ein Fünftel. Untergeordnete Priorität hat das Thema dagegen in den Niederlanden. Lediglich 7 Prozent sehen hier Handlungsbedarf seitens der Politik.
 
Massiv angestiegen ist europaweit die Sorge um die wirtschaftliche Stabilität. Lag dieser Aspekt in den Vorjahren bei 5 Prozent, schnellt er auf momentan 29 Prozent. In Großbritannien sehen sogar 43 Prozent der befragten Verbraucher schwierigere Zeiten auf sie zukommen. Hier nimmt – ebenso wie in Belgien und den Niederlanden – dieses Thema den ersten Rang ein. Auch in Deutschland (36 Prozent), Österreich und Spanien (je 34 Prozent) ist die Besorgnis groß. In Italien, Belgien und den Niederlanden empfindet jeweils knapp ein Drittel die wirtschaftliche Situation als verbesserungsbedürftig. In den übrigen Ländern ist – mit Ausnahme Frankreichs – mindestens ein Fünftel beunruhigt.
 
Die Sorge um die Preis- und Kaufkraftentwicklung hat nach dem dramatischen Anstieg um 11 Prozentpunkte im letzten Jahr aktuell an Wichtigkeit verloren und sinkt um immerhin 7 Zähler. Mit 22 Prozent der Nennungen liegt dieses Thema nun hinter der Arbeitslosigkeit und der Sorge um die konjunkturelle Entwicklung. Eine Ausnahme ist Russland. Hier werden für 2009 sinkende Realeinkommen prognostiziert, zudem verteuern sich Importe durch die Abwertung des Rubels. Dies verunsichert die Bürger offenbar sehr, somit belegt die Preis und Kaufkraftentwicklung mit 31 Prozent Rang 1. Noch besorgter sind die Franzosen (51 Prozent), hier steht allerdings die Kaufkraft im Vordergrund – vermutlich befürchten die Bürger Lohneinbußen aufgrund der Wirtschaftsund Finanzkrise.
 
Das Thema Kriminalität rutscht auf der gesamteuropäischen Agenda um einen Rang nach unten und belegt mit 11 Prozent Rang 4. Überdurchschnittlich beunruhigt zeigen sich die Italiener. Sie fordern mit 41 Prozent eine stärkere Bekämpfung der Kriminalität. In Großbritannien (19 Prozent) und den Niederlanden (17 Prozent) spielt dieses Thema ebenfalls eine zentrale Rolle.
 
Die Sorge um die Renten und Altersvorsorge liegt mit aktuell 8 Prozent auf Platz 5. Vor allem in Russland wünschen sich die Bürger eine Verbesserung der Rentensituation, hier sehen 13 Prozent Handlungsbedarf. Doch auch für etwa jeden zehnten Bürger in Polen, Frankreich, Deutschland und Österreich stellt die Alterssicherung ein bedeutendes Thema dar. In Bezug auf verfügbaren Wohnraum und Miete zeigen sich 8 Prozent der Europäer unzufrieden mit der derzeitigen Situation. Damit sinkt dieser Wert bereits zum zweiten Mal in Folge und belegt aktuell Platz 6. Probleme sehen vor allem die russischen Bürger mit 18 Prozent sowie die Franzosen mit 10 Prozent. Schlusslicht der Top-10-Herausforderungen ist jedoch in diesem Jahr die Bildungspolitik. Hier zeigt sich ein leichter Rückgang von 9 auf aktuell 7 Prozent. Deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken die Deutschen dem Bildungsniveau im Lande. Insgesamt 14 Prozent sehen hier die Politik in der Pflicht.
 
Diese Ergebnisse sind ein Auszug aus der GfK-Studie „Challenges of Europe“, die jährlich durchgeführt werden, und basieren auf rund 12.500 Verbraucherinterviews, die im Auftrag des GfK-Nürnberg e.V. im Februar und März 2009 in Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich, Großbritannien, Russland, Belgien, Polen, Spanien und den Niederlanden durchgeführt wurden. Grundlage der Untersuchung ist die Frage nach den dringendsten Aufgaben, die aktuell in dem jeweiligen Land zu lösen wären. Die Befragten erhalten keinerlei beschränkende Vorgaben für ihre Antwortmöglichkeiten, Mehrfachnennungen sind möglich.
Quelle: GfK e.V.; www.gfk.com

Facebook Twitter Google LinkedIn Xing RSS Email