ANZEIGE
Folgen Sie uns:
planung & analyse GmbH auf facebook.de planung & analyse auf twitter.de planung & analyse GmbH auf google+ planung & analyse GmbH auf xing

Studien


Die dysfunktionale Eurofamilie

Studie: Eurokrise = Politikkrise? (© Gerd Altmann / PIXELIO) 

 Studie: Eurokrise = Politikkrise? (© Gerd Altmann / PIXELIO)

In Marktforschungsinterviews zeigt sich immer häufiger, dass die Euro-Krise immer mehr auch zum Symbol für den Vertrauensverlust in die Politik wird. Schuld wird abwechselnd bei „den Südeuropäern“, „den Banken“, „den Spekulanten“ und „den Politikern“ gesucht. Der Wut stehen Ohnmachtsgefühle gegenüber. Die Bürger ahnen, dass die Wirtschaftsprozesse längst eine Eigendynamik entwickelt haben, die keiner mehr steuern kann. Die offensichtliche Ohnmacht und Hilflosigkeit der Politik überträgt sich auf die Menschen.

Bei der Beschreibung und Sinndeutung der Euro-Krise drängt sich den Befragten generell das implizite Bild der brüchigen Familie auf. Die Gipfeltreffen der EU-Politiker haben Ähnlichkeiten mit den Inszenierungen von Familientreffen. Beim Betrachten der Bilder weiß man: Hinter der freundlichen Kulisse, dem Händeschütteln und feierlichen Erklärungen rumort es in Wirklichkeit. Die einzelnen Familienmitglieder sind in Streitigkeiten und gegenseitige Abrechnungen verstrickt. Die wahren Konflikte kommen nicht auf den Tisch, sondern werden mit abhängig machenden Scheinlösungen aufgeschoben. Bei dem Euro-Familiendrama geht es vordergründig um die gemeinsame Familienkasse.

Die Rollen in dem Drama der dysfunktionalen Eurofamilie sind wie folgt besetzt: Da ist zunächst das ungleiche Elternpaar Merkel/Sarkozy. Die „Mutti“ (wie Merkel wohl intern genannt wird) will die solide schwäbische Hausfrau sein. Sie wendet sich kühl und beleidigt ab, wenn die anderen Familienmitglieder wieder etwas von ihr einfordern. Papa Sarkozy, der sich mit Mutti eigentlich nie so recht versteht, fordert die patriarchalische Führungsrolle ein und will Richtung und Werte für alle bestimmen – ohne Rücksicht auf Mutti.
Die europäische Familie - z.Zt. eher ratlos© Gerd Altmann/AllSilhouettes.com / PIXELIO 

 Die europäische Familie - z.Zt. eher ratlos© Gerd Altmann/AllSilhouettes.com / PIXELIO



Dann gibt es eine Riege von älteren Onkeln (Papandreou, Berlusconi und Zapatero), die nach außen hin elegant und würdevoll auftreten, eigentlich aber deviante Kinder geblieben sind. Die Griechen, Italiener und Spanier stehen als die überschuldeten Schuldigen da. Sie haben sich aufgrund ihrer haltlosen südländischen Mentalität unverantwortlich und egoistisch aus der gemeinsamen Kasse bedient.

Die Familie im Ganzen muss/soll es nun richten. Auf den Gipfeltreffen werden sie wie die peinlichen Onkel behandelt, denen man besser nicht Gelegenheit gibt, Ausflüchte von sich zu geben oder von ihren großen Plänen zu schwadronieren. Um das mit der Familienkasse in Ordnung zu bringen, zieht man eine Reihe von Bankern (Trichet, Ackermann) und Notaren (Juncker, Baroso) zu Rate, die sich in ihren Ratschläge alle widersprechen, so dass sich Mutti Merkel und Papa Sarkozy am Ende doch alleine beraten müssen – dabei streiten sie sich dann wahrscheinlich hinter den Kulissen. Nach nächtelanger Familienmediation kommt eine neue Scheinlösung der Art „Mehr des Gleichen“/“Mehr Geld für den Rettungsschirm“ heraus. Diese wird kurze Zeit später von den Börsen abgestraft.

Eine Zuspitzung der Lage und des Leidensdrucks kann aber durchaus zu „Veränderungen zweiter Ordnung“ führen, wie das systemische Familientherapeuten nennen. Dies wäre für die Eurofamilie beispielsweise der Rauswurf eines Mitglieds. Die Bürger und Konsumenten lässt die Euro-Krise ratlos und abwartend zurück. Denn auch der Ansatz, das Krisengeschehen als Familiendrama zu deuten, ist ja letztlich nur ein komplexitätsreduzierender Einordnungsversuch für Zusammenhänge, die sich dem Verstehen entziehen.
Nähere Informationen zu Concept m finden Sie online im p&a Handbuch der Marktforschung. Firmenprofil >>
Quelle: Concept m

Facebook Twitter Google LinkedIn Xing RSS Email