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Studien


Fernsehen gegen Einsamkeit

© CFalk  / pixelio.de    

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Es gibt heute deutlich mehr einsame Menschen in Deutschland als noch vor zwanzig Jahren. Dies ergab eine Studie, die das Marktforschungsinstitut Harris Interactive AG im Dezember 2014 in Kooperation mit Wahlverwandtschaften e.V. durchgeführt hat.


Während sich 1993 50 Prozent der Befragten überhaupt nicht einsam fühlten, liegt dieser Anteil heute nur noch bei 30 Prozent. Von Einsamkeit betroffen sind altersunabhängig eher Männer, Alleinlebende und Beschäftigungslose. Die Studie zeigt zudem, dass auch Kinder keine Versicherung gegen Einsamkeit sind. Zwar fühlen sich Alleinlebende einsamer als Personen in einer Beziehung, es macht dabei aber keinen Unterschied, ob Kinder im Haushalt leben oder nicht. Das Stadt- oder Landleben hat keinen signifikanten Einfluss auf das Einsamkeitserleben. Die häufigste Reaktion auf Einsamkeitsgefühle ist Fernsehen.
 
Anhand der geäußerten Intensität der Einsamkeitsgefühle lassen sich drei Abstufungen der Einsamkeit bilden. 20% der Befragten fühlen sich leicht, 23% mittel, 20% stark einsam. Die restlichen 37% fühlen sich gar nicht oder kaum einsam. Typische Vertreter der einsamsten 20% sind alleinlebende Männer jungen bis mittleren Alters, die häufig ohne Beschäftigung oder berufsunfähig sind. Als Gründe ihrer Einsamkeit geben sie Schüchternheit, Angst vor Ablehnung oder Verletzung, Kindheitstraumata und Antriebslosigkeit an. Als Bewältigungsstrategien nennen sie Fernsehen oder Lesen, Computerspiele spielen oder im Internet surfen, in die Arbeit stürzen und vergleichsweise häufig Psychologische Beratung.
 
Unter den 63% der Befragten, die sich leicht bis stark einsam fühlen, konnte Harris Interactive vier Gruppen identifizieren: Workaholics (37%), einsame Partner (37%), ältere Menschen (18%) und verunsicherte Menschen (8%). Diese Personengruppen wurden basierend auf den genannten Einsamkeitsgründen und Bewältigungsstrategien gebildet.
 
Bei der mit ‚Workaholics‘ bezeichneten Gruppe handelt es sich überwiegend um junge Menschen (33% unter 30) in Vollzeitbeschäftigung im städtischen Umfeld. Oft erleben sie sich selbst als verschlossen und haben einen weit verstreuten Freundeskreis. Die Ursachen für ihre Einsamkeit sehen die Workaholics in beruflichen und familiären Belastungen, einem schlechten Verhältnis zu ihren Kollegen und Ausgeschlossenheit bei der Arbeit. Deutlich häufiger als die anderen Gruppen reagieren sie auf ihre Einsamkeitsgefühle damit, dass sie sich in die Arbeit stürzen (40%). In den anderen Gruppen ist diese Antwort kaum vertreten.
 
Zur Gruppe der verunsicherten Menschen gehören überwiegend Frauen (70%). Die Ursachen ihrer Einsamkeit sehen sie in Angst vor Ablehnung und Verletzung, Verunsicherung durch Kindheitstraumata sowie Zurückhaltung und Antriebslosigkeit. Deutlich häufiger als die anderen Gruppen nehmen sie psychologische Beratung in Anspruch (60%) oder nehmen leichte Beruhigungsmittel wie Baldrian (40%). Auch ihre häufigste Reakti-on ist jedoch das Fernsehen (84%) gefolgt von Lesen (60%) und Musik (54%) hören. Häufiger als andere Gruppen gehen sie in Reaktion auf ihre Einsamkeitsgefühle einkaufen (49%).
 
Eine besonders einsame Gruppe bilden die älteren Menschen und Rentner, die verwitwet oder alleinstehend sind. Sie leben zumeist in der Stadt und haben einen weit verstreuten Freundes- und Familienkreis. Ursachen für ihre Einsamkeit sehen sie überwiegend im Verlust des Partners, eingeschränkter Mobilität sowie eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten. Ihre Reaktion ist häufig Fernsehen (79%), Lesen (59%), Musik hören (56%) oder Spazieren gehen (44%).
 
Für die Studie, die das Marktforschungsinstitut Harris Interactive AG im Dezember 2014 in Kooperation mit Wahlverwandtschaften e.V. durchgeführt hat, wurden 1.200 Personen zwischen 16 und 85 Jahren in Deutschland befragt. Die Ergebnisse hat Harris Interactive mit einer Studie von Döring/Bortz aus dem Jahr 1993 verglichen.
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