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Editor's Pick


Angela Merkel: Souverän, sanftmütig, überlegt - und stets ruhig

Bundeskanzlerin Angela Merkel werden von den Wählern kurz vor der Bundestagswahl am 27. September fast schon engelhafte Züge zugeschrieben. Als „Lichtgestalt“ überstrahlt sie die anderen Politiker, sie umgibt eine präsidiale oder gar königliche Aura. Ihr Kontrahent Frank-Walter Steinmeier punktet zwar als „verlässlicher Außenminister“ oder „kompetenter Bürokrat“, wird aber oft als „hölzerner und fleißiger Bürohengst“ oder als „leblos wie ein Stein“ beschrieben.
 
In einer aktuellen tiefenpsychologischen Studie hat das Kölner rheingold-Institut exklusiv für das Magazin „stern“ die Parteien und ihre Spitzenkandidaten unter die Lupe genommen.
 
Der Wahlkampf 2009 findet aus Sicht der Wähler nicht statt. Aber das scheint die meisten Wähler gar nicht zu stören, denn sie sind angesichts der Krise zu sehr mit sich selbst und der Lebensstabilisierung beschäftigt. Denn die Wirtschafts- und Finanzkrise baut für sie ein schwer fassbares und einschätzbares Bedrohungspotential auf.
 
Die Wähler begegnen ihrer Angst und Unsicherheit mit zwei grundsätzlichen Mechanismen:
Einerseits versuchen sie, die Krise abzudämpfen, zu verleugnen oder ganz zu verdrängen. Trotzig betonen viele Menschen, dass sie „Business as usual“ betreiben und dass der normale (Konsum-)Alltag weiterläuft. Man weicht der Auseinandersetzung mit politischen oder wirtschaftlichen Themen aus und will sich in einem beruhigenden Gefühl der Sicherheit wiegen. Von der Dämpfungs-Strategie profitierte in diesem Jahr vor allem die Süßwarenindustrie: Das schwarze Loch wurde bevorzugt mit Schokolade gestopft.
 
Andererseits wird versucht, handlungsfähig zu bleiben. Solange man agiert, werkelt, sein Leben oder seine Wohnung umbaut, persönliche oder politische Missstände anpackt, trotzt man wirkungsvoll der Ohnmacht. Von der Anpack-Strategie profitierten in diesem Jahr vor allem die Baumärkte: Sie vermitteln den Menschen auch in der Krise das Gefühl „ich werkle also bin ich.“
 
Die beiden diametral unterschiedlichen Mechanismen bestimmen unterschwellig auch die Erwartungen der Wähler an die Politik. Einerseits soll sie die Erschütterungen und die möglichen beunruhigenden Folgen der Krise abdämpfen und ein Gefühl von Sicherheit und Halt vermitteln. Andererseits soll sie aber auch die Wähler aktivieren und mobilisieren: Die Wähler wünschen sich klare Leitlinien oder Rezepte, wie man die Krise überwinden und zukünftig verhindern kann.
 
Die Partei oder Koalition wird die Wahl gewinnen, die die beste Kompromissformel zwischen Dämpfung und Aktivierung entwickelt. Derzeit scheint das der CDU besser zu gelingen als der SPD: Die CDU verspricht den Wählern vor allem über Angela Merkel eine ‚gedämpfte Zuversicht’, die mit vagen Aktivierungsappellen à la ‚Wir haben die Kraft’ verbunden wird. Angela Merkel trauen viele Wähler zu, dass sie als eine Art Schutzengel Deutschland durch die Krise führen kann.
 
Die SPD schafft es bislang im Wahlkampf nicht, eine stimmige Formel zwischen Aktivierung und Dämpfung zu entwickeln. Das liegt daran, dass ein Großteil der traditionellen Wähler von der SPD aktiviert werden wollen. Denn sie sind auf der Suche sind nach einer besseren und gerechteren Welt. Sie wollen die SPD als starke und opponierende Partei sehen, die dem bürgerlichen Parteien Paroli bietet.
 
Durch die von der SPD nicht geleistete und die von der CDU nicht gewollte konkrete Aktivierung der Wähler erleben die Wähler derzeit einen eher drögen und langweiligen Abdämpfungs-Wahlkampf: Statt durch harter und sachbezogener Kontroverse ist er durch Beschwichtigung, Vernebelung, halbherziges Aufbegehren und genügsames Abwarten gekennzeichnet.
 
Der geheime Wählerwille sehnt sich angesichts der Krise nach staatlicher Eintracht. Die große Koalition wird zwar von vielen Wählern kritisiert, insgeheim jedoch favorisiert. Zuwächse wird vor allem die FDP erzielen, die als liberale Blaupause eine unbedenkliche Alternative vor allem für enttäuschte SPD-Wähler ist. Eine Koalition zwischen CDU und FDP wird auch häufig favorisiert, weil sie einen Ausgleich zwischen dämpfenden Sicherungsversprechen (Angela Merkel als Schutzengel der Nation) und aktivierenden Selbstgestaltungsversprechen (Westerwelle als Volkstribun der Eigenleistung). Rechnerisch werden vermutlich beide Optionen möglich sein.
 
Die Studie „Wahlverhalten 2009“ ist eine Eigenstudie von rheingold und wurde exklusiv für den Stern durchgeführt. Insgesamt wurden 40 Wähler im Alter zwischen 18 und 65 Jahren jeweils zwei Stunden auf die Couch gelegt und intensiv befragt. Die Parteipräferenzen und die demographische Schichtung der Probanden entsprachen dem Durchschnitt der Wähler.
Quelle: rheingold; www.rheingold-online.de

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