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Biedermeier-Revival?

Freizeit, die nichts kostet: Was in den 80er und 90er Jahren für viele fast unvorstellbar schien, entwickelt sich jetzt zur neuen Lebenskunst. Die angeblich krisenresistente Freizeitwirtschaft ist nun auch in der Wohlstandskrise angekommen. Die Freizeitkonsumenten müssen sparen. Kneipen, Kinos, Diskotheken und Volksfeste bekommen die zurückgehenden Besucherzahlen deutlich zu spüren. Die Bundesbürger machen die neue Erfahrung, dass Freizeit nicht immer Geld kosten muss. Stattdessen wird das Bücherlesen zu Hause wieder entdeckt (+2,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) und auch das Fahrradfahren erlebt einen weiteren Aufschwung (+4,5). Die alltäglich ausgeübten Freizeitbeschäftigungen bekommen mehr entspannenden Charakter. Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden ohne teure Erlebnisprogramme oder Wellnessangebote, Zeit für Gedanken und Gespräche, das gehört für gut ein Drittel der Deutschen zu den regelmäßigen Freizeit-Beschäftigungen, die Spaß machen und Sinn haben. In Zeiten knapper Kassen nimmt das Gefühl für den Wert der Zeit zu.
 
Kaum eine Entwicklung hat die Einstellungen, Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten der Menschen so stark geprägt wie der Wandel der arbeitsfreien Zeit. Ende der 50er Jahre führte der sogenannte "Baby-Boom" führte dazu, dass "Mit Kindern spielen" eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen in der Familie wurde. Die 6-Tage-Woche ließ zudem den Wunsch aufkommen, sich in der verbleibenden Freizeit am Feierabend oder Sonntag erst einmal "gründlich auszuschlafen". Was dann noch an frei verfügbarer Zeit verblieb, wurde in die ebenso beschauliche wie zum Teil kommunikative Freizeitbeschäftigung "Aus dem Fenster sehen" investiert die Anfang der 60er Jahre durch das Fernsehen verdrängt wurde. Der Geburtenrückgang kündigte sich an, aus dem Spiel mit den Kindern wurde die Beschäftigung mit der Familie. Die 5-Tage-Woche veränderte die Erholungsbedürfnisse. Zugleich waren die Menschen in ihrem Freizeitverhalten mehr als heute von sozialen Normen abhängig. Man "musste" einfach ins Theater gehen, kulturelle Veranstaltungen besuchen, am kirchlichen Gemeindeleben teilnehmen oder seine Allgemeinbildung verbessern. Diese Aktivitäten tauchen in den Ranglisten der nächsten Jahre nicht wieder auf.
 
Mitte der 70er Jahre kündigte sich eine wesentliche Zäsur in der Entwicklung des Freizeitverhaltens an: Der Medienkonsum bestimmte die freie Zeit, alle anderen Aktivitäten waren nachgeordnet. Erstmals stellte sich auch der Anspruch auf Nichtstun und Faulenzen ein:"Sich ausruhen, ohne etwas zu tun" stand an vierter Stelle der Freizeitbeschäftigungen - noch vor Hausputz oder Bücher lesen. Mitte der 80er Jahre kam neben dem Medienkonsum das Telefonieren als dominante Freizeitbeschäftigung hinzu, es war Kontaktbrücke nach außen und zugleich ein Instrument der Langeweileverhinderung. Auf dem Höhepunkt des neuen Tennisfiebers tauchte erstmals der Sport in der Top-Ten-Liste der Freizeitaktivitäten auf. In den 90er Jahren trat die CD ihren Siegezug an, die elektronischen Freizeitmedien wurden immer bedeutsamer. Vor dem Hintergrund von Konsumstress und Medienflut blieb das Bücherlesen jedoch eine beliebte Freizeitbeschäftigung - das Medium der Muße. Und je hektischer das Alltagsleben wurde, desto mehr wuchs die Sehnsucht nach Ruhe, nach Faulenzen und Nichtstun oder einfach nach Ausschlafen.
 
Zu Beginn des dritten Jahrtausends müssen die Freizeitkonsumenten mit zwei Gegensätzen leben: Auf der einen Seite die ständig zunehmende Anzahl von Angeboten und auf der anderen Seite die Verknappung von Zeit und Geld. Die Verbraucher können nicht mehr alles erleben und jedem neuen Trend folgen, sondern müssen genau überlegen, wofür sie Zeit und Geld einsetzen.
Quelle: British American Tobacco; freizeitforschung@bat.de

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