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Der Handel zahlt die Rechnung - und kriegt die Quittung

Fehlende Richtungsvorgaben durch die Politik, die ausbleibende Belebung des Arbeitsmarktes und nach wie vor (zu) hohe Energiepreise - das ist der Cocktail, aus dem die Kaufzurückhaltung der Bundesbürger derzeit zusammengemixt ist. Die Anhebung der Mehrwertsteuer und der Sozialabgaben auf Arbeitnehmerseite mögen zur Haushaltssanierung zwar notwendig sein - für den privaten Konsum sind sie ein zusätzliches Hindernis. Bereits ihre Ankündigung hat die Nachfrage für das vergangene Quartal erneut gedämpft. Die Verbraucher haben für Güter des täglichen Bedarfs bei leicht gestiegenen Durchschnittspreisen (+0,6 Prozent) 1,2 Prozent weniger ausgegeben als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Absatz des LEH (ohne Harddiscounter) und der Drogeriemärkte lag in diesem Zeitraum um fast zwei Prozent unter Vorjahr. Dass die Neuwahlen und die Konzepte der Parteien bei den Verbrauchern auf Skepsis stoßen, zeigt auch der unmittelbare Vergleich zum Vorquartal, in dem der Handel noch fast zwei Prozent mehr Geld einnahm.
 
Allerdings spielt neben den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch das Angebotsverhalten des Handels eine entscheidende Rolle: Eine geringere Aktionstätigkeit bei mäßig höheren Aktionspreisen hat zu einem deutlichen Nachfragerückgang im Aktionsgeschäft geführt. In den einzelnen Sortimentsbereichen zeigt sich auch im 3. Quartal ein Auseinanderdriften der Preisentwicklung. Bei Babynahrung, Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln sind die Durchschnittspreise am stärksten gefallen. Fertiggerichte, Tiernahrung und Heißgetränke wurden im Durchschnitt teurer verkauft. Seit die Babynahrung in das Blickfeld der Discounter geraten ist, sind die Preise in diesem Segment stark ins Rutschen gekommen. Der im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als sieben Prozent niedrigere Durchschnittspreis sorgte im 3. Quartal aber für keinen höheren Absatz - mit der Folge eines um acht Prozent sinkenden Umsatzes.
Anders im Bereich Waschen und Putzen: Hier - wie auch bei den Körperpflege- und Kosmetikprodukten - stieg der Absatz bei niedrigeren Preisenleicht an, wenngleich nicht genug, um den Umsatzverlust auszugleichen.
Bei den Milch-Produkten fällt der um 15 Prozent gesunkene Absatz im Aktionsgeschäft auf. Dadurch sank der Umsatz der Molkereiprodukte trotz höherer Durchschnittspreise um fast 12 Prozent.
Süßwaren und Knabberartikel wurden im letzten Quartal weniger verkauft (Absatz -2,3%). Bei leicht gestiegenen Durchschnittspreisen (+0,8 Prozent) betrug der Umsatzrückgang 1,5 Prozent. Die Preise in diesem Sortimentsbereich stiegen zum Beispiel bei Tafelschokolade, weil die Hersteller die höheren Rohstoffkosten bei Kakao und Nüssen an die Verbraucher weiterreichten.
Der Trend zum Convenience Food ist ungebrochen. Die im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,1 Prozent höheren Preise ermöglichen einen Umsatzzuwachs von 3,7 Prozent.
Die demographische und gesellschaftliche Entwicklung verhelfen den Haustierprodukten zum Erfolg. Bei einem Preisanstieg von im Schnitt 0,9 Prozent zum Vorquartal (plus 2,1 Prozent zum Vorjahresquartal) stieg der Umsatz um beachtliche 5,2 Prozent. Der Schlüssel dafür liegt im Aktionsgeschäft. Bei deutlich höheren Aktionspreisen und etwa gleich hohen Normalpreisen setzte der Einzelhandel im 3. Quartal diesen Jahres 5,2 Prozent mehr Tierfutter und Accessoires um.
Die Heißgetränke litten weiter unter den hohen Rohstoffpreisen. Bei im Vergleich zum Vorjahr um 36 (!) Prozent höheren Aktionspreisen und um immerhin noch 8,5 Prozent höheren Normalpreisen ging der Absatz um gut zehn Prozent zurück. Dank der höheren Preise verbuchte der Einzelhandel dabei dennoch ein Umsatzplus von fast acht Prozent.
Fazit: In Zeiten starker Verunsicherung der Verbraucher ist der Preis zwar nur ein Kriterium von vielen, die über den Kauf eines Produkts entscheiden. Aber er bleibt, erst recht unter diesen Bedingungen, ein sensibles Steuerungsinstrument für die Nachfrage. Deutlich ist dies beim Aktionsgeschäft im 3. Quartal 2005 zu beobachten: Der Handel kann derzeit nicht so agieren, wie er gerne möchte. Tut er es dennoch, strafen ihn die Verbraucher auf der Stelle ab.
Quelle: Information Resources; www.infores.com

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