ANZEIGE
Folgen Sie uns:
planung & analyse GmbH auf facebook.de planung & analyse auf twitter.de planung & analyse GmbH auf google+ planung & analyse GmbH auf xing

Editor's Pick


Der zweite Weltkrieg aus Sicht der ehemaligen Gegner

Die Betrachtungen zum 2. Weltkrieg treten allmählich wieder in den Hintergrund; dennoch scheinen in der Überfülle der Rückblicke und Dokumentationen nicht alle Fragen behandelt worden zu sein. Was bisher fehlte, ist eine gesicherte Antwort darauf, ob die vor 1945 geschlagenen Wunden inzwischen vernarbt sind, oder ob es angesichts des düsteren historischen Geschehens noch mentale Vorbehalte gibt, die die Harmonie zwischen den einstigen Kriegsgegnern und heutigen Partnern beeinträchtigen. Eine Befragung in den USA und zwölf europäischen Ländern zeichnet ein durchwegs freundliches Bild von den Bewohnern Deutschlands, in dem von bewußter Ablehnung kaum etwas zu verspüren ist. Vor allem die Franzosen äußerten sich vorteilhaft 70 Prozent haben eine positive Meinung über die Bundesbürger, nur 6 Prozent eine negative. Auch Spanier, Italiener und Briten begegnen den heutigen Deutschen mit einer bemerkenswert hohen Wertschätzung. Die vergleichsweise distanzierte Haltung der Amerikaner (46 Prozent sehen die Deutschen positiv, 8 Prozent negativ) erklärt sich vor allem durch einen in den USA gleichzeitig hohen Anteil von Personen, die keine konkrete Meinung besitzen und demgemäß mit "weder/noch" antworteten.
 
Die befragten Länder waren sehr unterschiedlich hart vom Kriegsgeschehen betroffen, demgemäß besitzen die Bewohner unterschiedliche familiengeschichtliche Erfahrungen. So entstammen beispielsweise einer heimatvertriebenen Familie: In der Ukraine 26 Prozent, in Rußland 19, in Deutschland 14, in Polen 9, in Ungarn und Slowenien 8, in Österreich 7 und in Tschechien lediglich 5 Prozent. Über Kriegsopfer im eigenen Familienkreis berichteten: In Rußland und Ukraine jeweils drei Fünftel, in Deutschland und Österreich knapp zwei Fünftel, in Polen und Slowenien rund ein Drittel, in Ungarn etwa ein Viertel, in Großbritannien, Frankreich, Italien und Tschechien etwa ein Fünftel der Bewohner. In Spanien, das sich im wesentlichen nur mit dem Freiwilligenverband "Blaue Division" unter dem General Munoz Grande und Versorgungseinheiten am deutschen Rußland - Feldzug beteiligte, mußte lediglich jeder 20. Erwachsene auf Weltkriegstote in der Verwandtschaft verweisen. Bemerkenswert: Bei einer vorangegangenen Erhebung im Jahr 1995 waren die Hinweise auf familiäre Verluste noch erheblich zahlreicher. Es besteht offenkundig eine Tendenz zum Vergessen der Opfer aus dem engsten Verwandtenkreis und damit ein abnehmendes Gefühl, mit der Vergangenheit verflochten zu sein.
 
Häufige Gespräche über den 2. Weltkrieg finden innerhalb der Familien hauptsächlich in der Ukraine (bei 31 Prozent der Befragten) und in Rußland (bei 27 Prozent) statt. In Italien, Frankreich, USA, Polen und Ungarn stellt der Krieg allenfalls einen mittelmäßigen Gesprächsstoff dar. Auffallend wenig wird (neben Tschechien, Spanien und Slowenien) auch in Deutschland und Österreich über die Zeit vor 1945 geredet. Das Interesse am Zweiten Weltkrieg hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre ganz allgemein drastisch reduziert. Was Deutschland und Österreich betrifft, so sind es in beiden Ländern am ehesten die Zeitzeugen, die sich noch öfter über das lange zurückliegende Geschehen unterhalten (in Österreich 21 Prozent, in Deutschland 16 Prozent). Von den Spätgeborenen reden nur jeweils 6 Prozent häufiger über den 2. Weltkrieg. Der Anteil der Zeitzeugen an der Gesamtbevölkerung ist auf rund 8 Prozent zusammengeschrumpft.
 
Ein weitreichendes Einvernehmen besteht diesseits und jenseits des Atlantiks darüber, daß es sich bei der Judenvernichtung um keine Erbschuld handelt, für die sich die nach-geborenen Deutschen und Österreicher mitverantwortlich fühlen müssen. Abgesehen von den Deutschen und Österreichern selbst wird dies auch von Spaniern, Franzosen, Amerikanern, Briten, Ungarn, Italienern, Tschechen, Ukrainern in überaus deutlichen Mehrheiten verneint. Nicht zuletzt sind auch die Polen, bei denen der Schrecken der Weltkriegsperiode noch besonders tief sitzt, der Ansicht, daß man die heutigen Deutschen und Österreicher nicht für das Verhalten eines Teils ihrer Vorfahren verantwortlich machen könne.
Quelle: IMAS International; www.imas.at

Facebook Twitter Google LinkedIn Xing RSS Email