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Die E-Commerce-Versteher

Das Münchner Startup Metoda liefert Pricing-Infos über den Online-Handel – und weiß auch, wie viel über Amazon verkauft wird. Ein Beitrag von Klaus Janke.

Nein, Stefan Bures hat sich nicht in das Data-System von Amazon eingehackt. Aber dennoch kann der 34-Jährige ziemlich genau sagen, wie viele Rasierapparate, Fitness-Bänder oder Gartengrills der E-Commerce-Riese in dieser Woche verkauft hat. Als Gründer und CEO des Münchner Unternehmens Metoda hat er ein Geschäftsmodell daraus gemacht. Mittlerweile zahlen viele Händler und Hersteller dafür, genaue Amazon-Absatzinformationen zu bekommen: Wie viel wurde verkauft? Von welchen Marken? Zu welchem Preis? Metoda hat die Antwort.

Aber wie funktioniert das? Metoda wurde 2012 unter dem Namen PreisAnalytics gegründet und führte zunächst einen Datenservice für Pricing-Informationen ein. Eine Software durchkämmt ständig die Angebote von über 300.000 Online-Händlern international. Dabei werden nicht nur die Preise erfasst, sondern auch Verfügbarkeiten, Versandkosten, Lieferzeiten und Sonderaktionen für bestimmte Artikel. Der E-Commerce ist so dynamisch, dass ein Überblick nur noch automatisiert erfolgen kann. Der Service des Startups erlaubt es Händlern, mit Preisen und Sortiment in Echtzeit auf die Entwicklungen im Markt zu reagieren. Auch Hersteller können die Preisposition ihrer Artikel analysieren.

Das Metoda-Gründerteam: Stefan Bures, Robert Schmidtke und Jan Bromberger (v.l.; Foto: Metoda) 

 Das Metoda-Gründerteam: Stefan Bures, Robert Schmidtke und Jan Bromberger (v.l.; Foto: Metoda)

Bures und seine Mitstreiter gingen aber schon bald einen Schritt weiter. „Wir haben festgestellt, dass der Online-Handel so schnell und aggressiv ist, dass Informationen über Preise allein nicht viel nutzen“, erklärt der CEO. „Häufig können Unternehmen nicht richtig einschätzen, wie gut sie im Online-Geschäft dastehen. Sie werden dort teilweise von neuen Konkurrenten überholt, ohne es überhaupt zu bemerken.“

Also nannte sich PreisAnalytics im vergangenen Jahr in Metoda um und erweiterte sein Angebot um Absatz-Informationen für Amazon. Natürlich beginnt an diesem Punkt das Reich der Spekulation, weil sich diese gut gehüteten Daten nur schätzen lassen. Um sich der Realität anzunähern, entwickelte das Metoda-Team einen Algorithmus, der auf einer Vielzahl von Informationen basiert. Es fließen neben den bereits vorhandenen Pricing-Daten unter anderem die Marktanteile der Hersteller, die Amazon-Ranglisten und Produktbewertungen ein. Hinzu kommen bei Hersteller-Kunden die Daten über die von ihnen an Amazon gelieferten Produkte. Aus vielen Mosaiksteinchen ergibt sich dann ein Näherungswert.

Wie gut dieser ist, lässt sich dann beurteilen, wenn ein Unternehmen als neuer Kunde oder Interessent hinzukommt und seine Absatzzahlen bei Amazon offenbart, die Metoda zuvor nur schätzen konnte. „Wir erzielen mit unseren Absatz-Schätzungen auf Amazon eine Genauigkeit von über 80 Prozent“, sagt Bures.

Das Pricing-Angebot nutzen zurzeit international rund 200 Händler und Hersteller. Ein wachsender Teil bezieht auch die neueren Umsatz-Informationen. Unter den Kunden sind unter anderem Toys’R’Us, Redcoon, Notebooksbilliger.de, Babymarkt, Rebuy, Osram, Sennheiser und die Unternehmensgruppe Tengelmann. Letztere ist über Tengelmann Ventures auch am Startup beteiligt, das mittlerweile über 40 Mitarbeiter zählt. Zu den weiteren Investoren zählen der High-Tech-Gründerfonds und Bayern Kapital, eine Tochter der LfA Förderbank Bayern.

Metoda will künftig nicht nur Amazon-Absatz-Daten liefern, sondern „den gesamten E-Commerce-Markt abbilden können“, so Bures. Aber selbst, wenn das nicht klappen sollte, bietet Metoda nach Meinung des CEO den relevantesten Ausschnitt an: „Langfristig kann man davon ausgehen, dass Amazon immer mehr Marktanteile im Online-Handel verbuchen wird.“ Amazon selbst hat das Metoda-System übrigens noch nicht getestet.

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Erschienen
in Heft 4/16 von planung&analyse

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