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Gesundheitsreformen verändern die Rolle von Ärzten

Die Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre und das in der Folge gewandelte Gesundheitsverhalten der Bevölkerung haben das traditionelle Rollenbild von Ärzten weiter verändert.
 
Endgültig vorbei die Zeiten, in denen "Halbgötter in Weiß" einem überwiegend passiven, versorgungsorientierten und uniformen "Patientengut" gegenüberstanden. Viele Patienten sind - gewollt oder gezwungenermaßen - in Fragen der Gesundheit in den letzten Jahren aktiver, unabhängiger und kritischer geworden. Letzteres zeigt sich etwa darin, dass nur jeder zweite Bundesbürger seinen Hausarzt uneingeschränkt positiv beurteilt.
 
Viele Bürger erwarten neben der rein versorgenden Behandlung von den Ärzten heute stärker vorsorgeorientierte Behandlungsimpulse und Unterstützung bei der individuellen Bewältigung der Auswirkungen der Gesundheitsreformen. Gleichzeitig zieht sich ein Teil der Bundesbürger angesichts zunehmender Leistungseinschränkungen und Zuzahlungsverpflichtungen aber auch resigniert zurück.
 
Untersuchungen des Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG, die jüngst auf dem 5. psychonomics-Symposium in Köln vorgestellt wurden, zeigen, dass Haus- und Fachärzte vor diesem Hintergrund vor neuen und differenzierten Rollenanforderungen stehen:
 
• In der Rolle von "Gesundheitscoachs" erleben sich Ärzte insbesondere denjenigen Patienten gegenüber, die eine verstärkte gesundheitliche Eigenverantwortung und Eigenleistung grundsätzlich anerkennen und sich der veränderten Situation in konstruktiver Weise in Kooperation mit dem Arzt annehmen wollen. Grundprinzip der Arzt-Patient-Beziehung ist hier ein "Partner-Modell", in dem der Arzt seine traditionelle Rolle als von außen wirkender "Gesundmacher" vermehrt aufgibt, bzw. aufgeben muss. Den Patienten kommt hier gleichzeitig eine aktivere Rolle zu (statt Rolle als passives "Behandlungsobjekt").
 
• Solchen Patienten, die sich von den Gesundheitsreformen bisher unbeeindruckt zeigen und wunschhaft weiter am Prinzip uneingeschränkter passiver Vollversorgung festhalten, begegnen Ärzte in der Rolle von "Verzichts-Pädagogen". Entlang dem "Realitätsprinzip" versuchen sie, den Patienten systembedingt erforderliche Leistungseinschränkungen und Verzichtsnotwendigkeiten plausibel zu machen - und gleichzeitig zu versichern, dass dadurch keine bedeutsamen gesundheitlichen Nachteile entstehen. Misslingt dies, distanzieren sich Ärzte nicht selten von den aus ihrer Sicht "uneinsichtigen", bzw. "maßlosen" Patienten. Das Beziehungsmodell von Arzt und Patient ähnelt hier einer klassischen "Eltern-Kind-Beziehung".
 
• Als "Anwälte der Gesundheit" verstehen sich Ärzte insbesondere bei solchen Patienten, die aus ökonomischen wie sozialen Gründen auf die Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre mit Resignation und Rückzug reagiert haben: etwa durch deutlich seltenere Arztbesuche, Verzicht auf Vorsorgeuntersuchungen, "unkontrollierte" Selbstmedikation etc. In dieser Rolle ergreifen die Ärzte stellvertretend Partei für ihre Patienten und warnen - Patienten wie politisch Verantwortliche - vor gesundheitlichen und ökonomischen Langzeitrisiken einer falsch verstandenen Behandlungsabstinenz, bzw. falsch verstandener Eigenverantwortung. Die Arzt-Patient-Beziehung lässt sich hier als "Schutz-Bündnis-Modell" verstehen. Gemeinsame "Gegner" sind Krankenkassen, die aus Arztsicht medizinisch notwendige, bzw. sinnvolle Leistungen versagen, sowie eine nur kurzfristig denkende, an ökonomischen Sachzwängen orientierte Gesundheitspolitik insgesamt.
 
• In der Rolle von "Umstellungs-Moderatoren" fungieren Ärzte schließlich insbesondere bei Patienten, die sich rasch auf die veränderten Bedingungen im Gesundheitssystem umgestellt haben und als "Selbst-Manager" in Sachen eigener Gesundheit handeln. Angetrieben von einem Schuss Rebellion gegen das staatlich verordnete Gesundheitssystem streben sie unabhängig - und mitunter experimentierfreudig - nach einer stark selbstbestimmten Form des Umgangs mit Gesundheit und der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen unter veränderten Bedingungen. Die besonders ungewohnte, weil am deutlichsten beschränkte Rolle des Arztes liegt hier oft "nur" darin, die Unbedenklichkeit der von Patienten selbst geplanten Gesundheitsmaßnahmen zu moderieren und, wo erforderlich, mit Ratschlägen zu ergänzen (etwa Medikamentenbestellung im Internet, Selbstmedikation, Operationen im Ausland etc.). Die Patienten handeln auf individueller Ebene "gesundheitsökonomisch", orientieren sich am "Warencharakter" medizinischer Leistungen und sind weniger "verschreibungsfixiert". Die Arzt-Patient-Beziehung ist hier mit dem Verhältnis von "Kunde und Dienstleister" vergleichbar.
 
Quelle: psychonomics; www.psychonomics.de

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