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Ipsos-Umfrage: Wechsel-Spannung im Energiesektor?

Mehrfache Preiserhöhungen in jüngster Vergangenheit, Aufrufe der Politiker aller Parteien gegen weitere Strompreiserhöhungen, Vorwürfe gegenüber Energiekonzernen, gefallene Großhandelspreise für Strom allein zur Gewinnsteigerung zu nutzen sowie untereinander Preisabsprachen vorzunehmen, Sammelklagen von Verbrauchern gegen Energielieferanten – neben der umstrittenen Preisentwicklung bei dem Produkt „Gas“ ist auch das low involvement Produkt „Strom“ zur Zeit wieder in aller Munde.
 
Ipsos untersuchte in Kooperation mit planung & analyse im Rahmen einer repräsentativen CATI-Umfrage mit 500 Befragten ab 14 Jahren deren Einstellungen gegenüber Stromanbietern und ihre generelle Wechselbereitschaft.
 
Dabei wurde zunächst nach der Wechselintention für verschiedene Versorgungsbereiche des täglichen Lebens gefragt: In den nächsten 12 Monaten den Anbieter zu wechseln, kommt am ehesten in den Bereichen „Telefonanbieter für Festnetz“ (8%) und „Stromversorger“ (7%) in Frage. Wechselbereitschaften sind generell bei den Befragten unter 35 Jahren und den höher gebildeten (Abitur / Universitätsabschluss) ausgeprägter; so planen 14% der höher gebildeten Befragten in den nächsten 12 Monaten ihren Stromanbieter zu wechseln, 13% ihren Festnetzanbieter, und 12% der jüngeren Befragten sind auf der Suche nach einer neuen Bank bzw. Sparkasse. Ein sehr große Mehrheit der Befragten mit 80% verspürt allerdings nach wie vor überhaupt keine Wechselneigung bezüglich Strom, Telefonie oder gar Krankenkasse, so dass die geänderten Wettbewerbsbedingungen der Ex-Monopol-Märkte auch im Jahre 8 nicht zu dem Wettbewerbsdruck geführt haben, wie ursprünglich vermutet.
 
Auffällig ist, dass jeder 7. Befragte seinen derzeitigen Stromanbieter nicht namentlich benennen kann, also dem Thema Stromversorger nur eine untergeordnete Aufmerksamkeit widmet. Bei der gestützten Nachfrage zur Bekanntheit von Stromversorgern spiegelt sich das Bild der oligopolis-tisch geprägten Stromlandschaft wider: liegt E.ON mit 93% vor Yello (91%) und RWE (80%). Generell gilt: je höher das Bildungsniveau der Befragten, desto mehr Stromanbieter sind bekannt. Während RWE bei älteren Befragten bekannter ist, hat z.B. der Öko-Strom-Anbieter Lichtblick bei Unter-35-Jährigen einen Bekanntheitsgrad von 16% (gegenüber 8% insgesamt).
 
Unabhängig davon, ob ein Wechsel des Stromanbieters geplant ist, wurde „ein preisgünstigeres Angebot“ als wichtigstes Kriterium für einen Wechsel eingestuft (69% der Befragten; bei Männern 73%, in Ostdeutschland 74%, bei einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1250€ 82%). Zweitwichtigstes Kriterium ist ein Angebot, das aus rein regenerativen Energien besteht (21% der Befragten). Dieses Argument zählt v.a. für jüngere Befragte (30%), höher gebildete (31%), und Westdeutsche (24%). Die Wichtigkeit dieses Wechselkriteriums steigt mit zunehmendem Haushaltsnettoeinkommen an. Dieses Ergebnis steht im krassen Widerspruch zum realen Marktgeschehen mit einem Anteil um 10%.
 
Weitere Wechselgründe sind „regionaler Anbieter“ (16%), „bessere Kundenservice“ (14%), „Angebot ohne Atomstrom“ (13%). „Angebot mit „Extras“ für den Kunden“ wie z.B. eine Kundenkarte spielen mit 4% keine Rolle im Wechselverhalten bundesdeutscher Haushalte.
 
Die Aussage „Strom ist Strom, das einzige was zählt ist der Preis“ bekommt allgemein eine hohe Zustimmung (Durchschnittswert 2,4 auf einer Skala von 1 = trifft voll und ganz zu bis 5 = trifft überhaupt nicht zu), v.a. bei Älteren (55+, 2,0) und geringerer Schulbildung (2,0). Die Zustimmung sinkt mit steigendem Haushaltsnettoeinkommen. So stimmen auch nur wenige der Aussage zu, dass sie sich aktiv und regelmäßig über verschiedene Stromanbieter informieren (3,9). Am e-hesten tun dies Befragte mit hohem (2500€+) Haushaltsnettoeinkommen (3,5) und Befragte aus Ostdeutschland (3,6). Auch das Interesse, aus welcher Energiequelle der Strom kommt, ist nur mäßig ausgeprägt (3,1), es steigt leicht mit steigendem Haushaltsnettoeinkommen.
 
Demgegenüber erhält die Aussage „Es gibt keinen wirklichen Wettbewerb, die Preise werden von den großen Anbietern diktiert“ eine breite Zustimmung (Durchschnitt 2,0), v.a. in der Altersgruppe 55+ (1,7). Etwas weniger Zustimmung (2,6) erhält die Aussage „Ich brauche meinen Stromanbieter nicht zu wechseln, ich zahle bei einem anderen auch nicht weniger“. – v.a. ältere Befragte (2,3) und solche mit geringerer Schulbildung (2,4) vertreten diese Auffassung. Unabhängigkeit vom regionalen Stromversorger durch freie Wahl des Stromanbieters? Dem stimmen etwa die Hälfte der Befragten zu (Durchschnitt 2,4), mit einer etwas stärkeren Ausprägung bei Frauen (2,3) und jüngeren Befragten (-54 Jahre, 2,3).
 
Wird aber wirklich jemand den Anbieter wechseln? Immerhin 34% der Befragten negieren die Aussage „Der Wechsel zu einem anderen Stromversorger ist mir viel zu kompliziert, da bleibe ich doch lieber bei meinem jetzigen Anbieter“ (gegenüber 46% Zustimmung; Durchschnitt 2,7). Es ist zu erkennen, dass die Zustimmung zu diesem Statement mit zunehmendem Alter, mit abnehmendem Bildungsgrad und auch mit abnehmendem Haushaltsnettoeinkommen ansteigt, für diese Bevölkerungssegmente also die Wechselbarrieren hoch erscheinen.
 
Die ausführlichen Ergebnisse können Sie direkt bei Ipsos nachlesen:
Frage des Monats mit planung & analyse
Quelle: Ipsos GmbH, Gudrun Witt; www.ipsos.de

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