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„Während der Stellenwert der Wahlforschung bei den Parteien zu niedrig ist, nimmt die Wahlforschung in der Öffentlichkeit eine übertrieben hohe Stellung ein.“

 Rainer Faus (Quelle: pollytix strategic research) 

  Rainer Faus (Quelle: pollytix strategic research)

In Deutschland hat sich die Wahlforschung in den letzten Jahren kaum verändert und hierzulande werden immer noch fast ausschließlich Methoden des letzten Jahrhunderts angewendet. Gleichzeitig hat sich die Methodik der Wahlforschung im angelsächsischen Raum rasant entwickelt, zum einen im Bereich Big Data (der auf Deutschland wegen des strengeren Datenschutzes nur schwer übertragbar ist), zum anderen im Bereichen der Analysemethoden wie Key Driver-Analyse, Zielgruppenanalyse und effizientes Targeting.

Diese Analysemethoden können Parteien helfen, potentielle Wähler zielgerichteter mit denjenigen Themen anzusprechen, die für diese wirklich relevant sind. So können begrenzte Wahlkampfressourcen effizienter eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist der Wille und – viel wichtiger – die Fähigkeit des Wahlforschers, sich aus einer rein erhebenden in eine beratende Rolle zu bewegen und als integraler Teil des Wahlkampfes strategisch zu denken.

Die Wahlforschung steht aktuell vor drei großen Herausforderungen:
  1. Jenseits der in den Medien berichteten eher oberflächlichen Wahlforschung muss die deutsche Wahlforschung in Zukunft den Parteien unter Beweis stellen, dass sie echten Mehrwert liefern kann und Wahlforschung einen Return of Investment liefert, und zwar durch effizientere und passgenauere Ansprache ihrer Zielgruppen. Dies geht nur durch methodologische Aufrüstung und die Adaption von Analysemethoden, die im Ausland vielfach angewandt wurden und erwiesenermaßen bewährt sind.

  2. Auch in Deutschland wird es eine Bewegung hin zu Online-Wahlforschung geben, die bisher von den Oligarchen der großen Institute erfolgreich verhindert wurde. Die Erfahrung im Ausland zeigt, dass sich mit innovativer Online-Wahlforschung qualitativ hochwertige Ergebnisse kostengünstig erzielen lassen, die der Qualität telefonisch erhobener Umfragen in nichts nachstehen und überdies erhebliche Vorteile bieten. Diesen Weg wird die deutsche Wahlforschung über kurz oder lang auch beschreiten, der demografische Faktor, die Verbreitung von Smartphones und Tablets und zunehmende Probleme bei telefonischen Umfragen werden die Branche dazu zwingen.

  3. Darüber hinaus steht die Herausforderung an, öffentlich verfügbare Datenquellen mit maßgeschneiderten Erhebungen zu kombinieren. Insbesondere in Bezug auf Wahlkampfplanung und Targeting wird dies entscheidenden Mehrwert liefern, der erheblichen Einfluss auf den Wahlausgang haben kann.

Während der Stellenwert der Wahlforschung bei den Parteien zu niedrig ist, nimmt die Wahlforschung in der Öffentlichkeit eine übertrieben hohe Stellung ein. Zum einen sind die Fragestellungen der etablierten Wahlforscher häufig entweder irrelevant oder irreführend, zum anderen wird von den Medien ein unvernünftiger Hype um die Sonntagsfrage befeuert. In Deutschland werden zur Zeit bis zu acht Wahlumfragen pro Woche veröffentlicht, in den meisten Fällen liegen wöchentliche Schwankungen innerhalb der Fehlertoleranz und echte Trends sind selten und oft nur über einen längeren Zeitraum valide zu erkennen. Trotzdem berichten Medien im Wochentakt Schwankungen von einem Prozentpunkt als signifikanten Gewinn oder Verlust und schreiben dabei zuweilen völlig spekulativ bestimmte Politikereignisse den Änderungen zu. Aus diesem Grund haben wir den pollytix-Bundestagswahltrend ins Leben gerufen, der täglich das gewichtete Mittel aller öffentlich verfügbaren Sonntagsfragen berichtet. Hier zeigt sich, dass – abgesehen von externen Schocks wie z. B. dem Atomunfall in Fukushima – aggregierte Umfrageergebnisse über lange Zeiträume äußerst stabil sind, und den wöchentlichen Aufruhr, den sie erzeugen, nicht verdienen.


Rainer Faus ist Geschäftsführer der pollytix strategic research gmbh, Berlin.


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