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Weniger Beschwerden und Fälle vor dem Deutschen Werberat

Im dritten Jahr der deutschen Wirtschaftsflaute haben sich weniger Bürger beim Deutschen Werberat über kommerzielle Werbemaßnahmen beschwert. 2003 erreichten das Selbstkontrollgremium der Wirtschaft 606 Proteste zu 255 Kampagnen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 1.985 Eingaben zu 270 Werbesujets. Ausreißer, Grenzüberschreiter und Gedankenlose sind im Verhältnis zu den millionenfachen Werbeschaltungen absolute Randphänomene im Werbegeschehen der Wirtschaft. Fälle von grobem Missbrauch des Instruments Werbung durch Unternehmen kommen trotz des deutlich gestiegenen Wettbewerbsdrucks eher vereinzelt vor. Gewerkschaften, Tierschützer oder politische Parteien dagegen koppeln den angestrebten guten Zweck durch Griff in den Giftschrank kommunikativer Mittel unverhältnismäßig. Die Hürde für nicht-kommerzielle Werbung ist deutlich niedriger. In diesem Bereich schützt kein Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb vor Irreführungen, und kein Werberat ahndet dort moralische Fehlgriffe oder beugt ihnen vor. Aufsehen erreiche eben noch kein Ansehen. Dieser werbefachliche Grundsatz sei aber auch nicht bei allen Entscheidern im Bereich kommerzieller Werbung präsent, wie die Jahresbilanz des Konfliktmanagements durch den Werberat sichtbar mache, so der Kommentar des Deutschen Werberats.
 
Von den 255 Werbemaßnahmen, die in den Entscheidungsbereich der Selbstkontrollinstanz fielen, beanstandete das Gremium 52 Kampagnen. 41 davon zogen die betroffenen Firmen zurück, 4 änderten sie ab. In 7 Fällen rügte der Rat die Unternehmen, weil sie zunächst die kritisierte Werbemaßnahme weiterschalteten. Dauerthema bleibt der Vorwurf der Diskriminierung von Frauen durch Werbemaßnahmen - 201 Proteste entfielen auf 109 Kampagnen (43 Prozent von den insgesamt zu entscheidenden 255 Kampagnen).
 
Der Deutsche Werberat ist als eine Einrichtung der Wirtschaft ausschließlich für kommerzielle Kommunikation zuständig. Dennoch beobachtet das Gremium besorgt immer rücksichtslosere Werbung anderer gesellschaftlicher Gruppen. Ein Rückkopplungseffekt auf die kommerzielle Werbung sei nicht auszuschließen: "Warum sollte ein Unternehmen nicht zu den gleichen Mitteln der Kommunikation greifen dürfen, wie sie die größere Freiheit für andere Kreise der Gesellschaft ermöglicht", werde auf Chefetagen immer wieder diskutiert. Schließlich sei Öffentlichkeit unteilbar. Je drastischer die eingesetzten Bilder und Texte auf Seiten der nicht-kommerziellen Institutionen werden, desto stärker bahnt sich die Ansicht über weitgehend grenzenlose Werbeformen ihren Weg in der Wirtschaft - zumal auch der gesamte Kunstbetrieb Hüllen und andere Hemmungen habe fallen lassen. Beinahe noch harmlos sei die Werbung der Bundesregierung für das Bio-Siegel. Postkarten zeigen verlockende Erdbeeren - Text "Vernasch mich", dazu auf dem Obst: eine Kinderpuppe.
 
In diese Kategorie falle auch der TV-Spot der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Zu sehen sind Jugendliche bei Selbstmordversuchen. Ein Junge bolzt seinen Papierkorb weg und steckt sich dann eine Pistole in den Mund. Dann setzt sich eine junge Frau eine Rasierklinge ans Handgelenk - daneben ein Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle, darauf der unübersehbare Stempel "Abgelehnt". Ein Tropfen fällt ins Waschbecken, das Wasser färbt sich rot. Am Ende erst die Moral: "In Deutschland fehlen mehr als 150.000 Lehrstellen." Besonders rücksichtslose Verfolgung eigener Ziele demonstriere die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals). Geplant hat der Verband auch in Deutschland eine bereits in den USA geschaltete Kampagne unter dem Titel "Holocaust auf deinem Teller". Plakate zeigen Bilder aus Konzentrationslagern neben Bildern toter und gequälter Tiere. Beigefügt sind Sätze wie: "Unsere Enkel werden uns eines Tages fragen: Was habt Ihr gegen den Holocaust der Tiere getan? Wir können uns nicht zum zweiten Mal damit entschuldigen, wir hätten nichts gewusst." Oder: "Sechs Millionen Juden sind in Konzentrationslagern gestorben, aber dieses Jahr werden sechs Milliarden Grillhähnchen in Schlachthäusern sterben."
Quelle: Deutscher Werberat; werberat@werberat.de

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